Berlin - EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat bekräftigt, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen nicht automatisch weiter erhöht. Allerdings werde die Notenbank auch weiter die notwendigen Entscheidungen treffen, um die Preisstabilität in der Euro-Zone zu gewährleisten.

"Wie haben ex-ante nicht entschieden, eine Serie von Zinserhöhungen vorzunehmen", sagte Trichet in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem Magazin "Der Spiegel". "Wir werden in der Zukunft die Entscheidungen treffen, die notwendig sind, um Preisstabilität zu gewährleisten, um bei der Gewährleistung von Preisstabilität im Zeitverlauf glaubwürdig zu sein und um die Inflationserwartungen weiterhin fest auf einen Niveau zu verankern, das mit Preisstabilität in Einklang steht." Trichet betonte, dass die EZB Inflationsrisiken vorausschauend begegnen müsse.

Damit wiederholte Trichet die derzeit gängige Botschaft der EZB. Nach der Zinserhöhung um 0,25 auf 2,25 Prozent Anfang Dezember erwarten die Finanzmärkte weitere Erhöhungen im kommenden Jahr. Trichet sagte in dem Interview, seine Äußerung spiegle die Haltung des EZB-Rats wider. "Ich denke, sie wird von den europäischen Bürgern sowie von den Marktteilnehmern ganz gut verstanden."

Der EZB-Präsident sagte, die EZB müsse vorausschauend handeln, vor allem um Zweitrundeneffekte vom teuren Öl - also höhere Lohnforderungen und einen Preisanstieg auf breiter Front - zu vermeiden. "Wenn wir mit unseren Entscheidungen warten würden, bis solche Effekte eintreten, wäre es schon zu spät. Darum ist es immer besser, solche Effekte zu verhindern, als sie später beheben zu müssen."

Kritik zurück gewiesen

Die aus Sorge um die noch labile Konjunktur geäußerte heftige Kritik von Politikern an der Zinserhöhung wies Trichet zurück. "Preisstabilität ist eine Voraussetzung, eine notwendige Bedingung für anhaltendes Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen", sagte der Notenbankchef. Die Konjunkturerholung werde nicht abgewürgt. "Unsere Entscheidung sichert durch die Stabilisierung der Inflationserwartungen ein finanzielles Umfeld, das für anhaltendes Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen günstig ist."

Allerdings könne die Geldpolitik nicht allein die Probleme in Europa lösen. "Insgesamt muss der Wirtschaft, aber auch der Gesellschaft eine größere Anpassungsfähigkeit und mehr Flexibilität erlaubt und - in der Tat - abverlangt werden", sagte Trichet. Zu den Herausforderungen gehörten neben der Alterung der Gesellschaft, der Globalisierung und dem technischen Fortschritt die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen in Europa und die Erweiterung der Europäischen Union. Trichet machte auch deutlich, dass die EZB weiter eine strikte Einhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspakt verlange.

Mit Blick auf internationale Ungleichgewichte betonte Trichet, dass sowohl die USA mit ihrem ausufernden Leistungsbilanzdefizit als auch die Europäer mit ihrem mageren Wachstum ihre Schwachstellen angehen müssten. "Leider tun es beide Seiten noch nicht umfassend, aktiv und effizient genug." Der schnelle wirtschaftliche Aufstieg Chinas und Indiens stellt nach Ansicht Trichets eine Herausforderung auch für den Rest der Welt dar, weil dadurch das Gefüge der Weltwirtschaft sich rasant verändere. "Aber auch dieser Aufgabe müssen wir uns stellen. Wir haben keine andere Wahl." Den Europäern riet Trichet zu mehr Optimismus. Die bevorstehenden Aufgaben seien zwar enorm, seien aber zu schaffen. "Wir Europäer müssen einfach mehr an uns glauben." (APA)