Franz Quendler - die erste Adresse, wenn es um französische Weine geht. Auch wenn sich diese Adresse in den vergangenen Jahren ein wenig verändert hat.

Foto: Standard/Christian Fischer

Barbara Nemet mit einem ihrer "individuellen Einzelstücke": Sie bietet "Kleider für Menschen" an - und nicht dieses modische "Wegwerfgetue".

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Seien es Nemets Kleider oder "Quendlers feine Weine": Beides hat mit hoher Qualität zu tun, mit Charakter, mit moderaten Preisen. Und das muss wohl am Grätzel liegen.

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Wien - "Es ist sehr still hier, in der Lederergasse", begrüßt uns Barbara Nemet in ihrem Geschäft. Hier, wo früher eine Waffenschmiede war - "ein echter Halali-Hawara" - kann man sich seit einiger Zeit mit hochqualitativer Kleidung ausrüsten.

In aller Ruhe. Tatsächlich ist das Einzige, was die wohltönende Ansage von Ö1 im Hintergrund unterbricht, der 13A, der durch die Gasse brummt. Doch selbst der klingt durch die von früher noch kugelsicheren Auslagenscheiben dezent gedämpft.

Die ruhige Art dieser Gasse passt irgendwie zu den Menschen und vor allem zu den Qualitäten, denen sie sich hier hinter den Türen widmen. Die sind vielleicht nicht still - aber ganz sicher nicht marktschreierisch oder plakativ. Und auf hohem Niveau.

"Individuelle Einzelstücke" sind es, die Nemet seit sechs Jahren hier anbietet. "Bei mir kriegt man nichts, wegen dem sich die Leut' am Ball dann gegenseitig die Augen auskratzen." Soll schon vorgekommen sein, was man so hört. Aber nicht mit Nemet.

Das beginnt schon bei den Materialien, die sie verarbeitet. Zum Teil Stoffe, die man in Wien nicht bekommt; die sie aus Italien, Deutschland, der Schweiz bezieht. "Da fahr' ich halt statt in den Urlaub im Sommer ins Mühlviertel und kaufe dort bei den letzten Webern, die's noch gibt, Stoffe für die Herrenhemden."

Kein Repräsentieren

Das, was dann entsteht, ist "nicht Mode als dieses Wegwerfgetue. Ich mache Kleider für Menschen." Da geht es weniger um Repräsentieren oder Darstellen, sondern mehr um's Leben.

Was das bedeutet, zeigte sich heuer bei einer ihrer Modeschauen - die Nemet in ihrem Stammlokal im Grätzel durchführte, im Panigl in der Josefstädter Straße. "Machma was mit Mode", hatten sie ihr vorgeschlagen - und schon wurde die Kombination Menü und Mode kreiert. Gute Kleider und gutes Essen galt es symbiotisch zu kombinieren.

Aber all das muss erst einmal entdeckt werden - und bei der Adresse Lederergasse 17 ist die "Laufkundschaft praktisch Null".

Dies bestätigt auch ihr Nachbar. Einer, der seit längerem schon vor allem über Mundpropaganda bekannt wurde - und wer sich für französischen Wein ein bisserl mehr interessiert, weiß, dass Franz Quendler die erste Adresse in Wien ist. Und diese Adresse hat sich ein wenig gewandelt. Denn in den letzten Jahren hat sich sein Verkauf mehr und mehr vom heimeligen Geschäft in der Schmidgasse 8 ins große Lager im Hinterhof der Lederergasse 17 verlagert.

"Das war nicht wirklich geplant", so Quendler. Ursprünglich war die Nutzung dieser 200 Quadratmeter "als reines Palettenlager gedacht". Ganz pragmatisch in der eigenen Wohngegend. Nach und nach stellte die Kundschaft dann fest, dass die beste Auswahl im Lager ist - und kam lieber gleich hierher.

Keine Auslage

Jene, die bei Quendler kaufen, brauchen auch keine Auslage oder angeschlossene Bar, um in ihrer Weinkennerschaft vielleicht auch noch gesehen zu werden. "Etikettentrinker" sind auch nicht unbedingt jene, die er ansprechen möchte. "Wer alles weiß und jedem Parker-Punkt nachrennt, ist ohnehin beratungsresistent."

Quendler bietet in erster Linie "Weine zum Trinken" und das "für kritische Kunden, die wieder kommen. Die dann auch stilistische Tendenzen eher bemerken, als jene, die nur ihren Weinkeller vollräumen. Dabei zeigt sich auch: "Die Tendenz geht weg vom Beeindrucken, die wuchtigen Weine aus Südfrankreich gehen eindeutig zurück." Eleganz und Stilistik werden mehr und mehr gefragt.

Genau genommen kann man Nemets Kleider wie auch Quendlers Weine als Spiegel dieses Grätzels in der Josefstadt mit den gleichen Worten beschreiben: Sie haben Charakter, sie haben Tiefe, sie protzen nicht, sie kommen nicht wuchtig daher - und sie sind leistbar.

Es muss wohl das Viertel sein, das diesen Geist ausstrahlt. So verwundert es auch wenig, dass zweimal ums Eck - und just am halben Weg zwischen Quendlers Geschäft und Lager - ausgerechnet Willi Schnattl sein Restaurant hat. Auch so einer, der es versteht, Top-Qualitäten genial zu kombinieren und zu moderaten Preisen anzubieten. In aller Ruhe und ohne Getue. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 24./25./26. Dezember 2005)