Berlin - Große Teile der Hartz-Reformen in Deutschland laufen ins Leere, einzelne Teile wirken sogar kontraproduktiv. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Bewertung der Reformpakete Hartz I bis III im Auftrag der deutschen Bundesregierung. Dies berichtet das "Handelsblatt" (Dienstag-Ausgabe) unter Berufung auf mehrere tausend Seiten umfassende interne Berichte, die der Wirtschaftszeitung vorliegen.

Demnach kommen die Personal-Service-Agenturen (PSA) besonders schlecht weg, die einst als Herzstück der Reformen galten. "Der Einsatz in einer PSA verlängert im Vergleich zur Kontrollgruppe die durchschnittliche Arbeitslosigkeit um fast einen Monat, gleichzeitig liegen die monatlichen Kosten weit über den ansonsten entstandenen Transferleistungen", heißt es im Untersuchungsbericht.

Nicht effektiv

Unter dem Strich verursache jeder Arbeitslose, der an eine PSA überwiesen wird, pro Monat Mehrkosten in Höhe von 5.700 Euro. So, wie die PSA derzeit aufgestellt sind, seien sie "weder effektiv noch effizient" und "noch immer ein teures Instrument", zitiert die Zeitung aus dem Bericht.

Für die meisten Bausteine von Hartz I bis III konnten die Forscher keine Verbesserung der Qualität und Schnelligkeit der Arbeitsvermittlung nachweisen. Dass die Reformen die Arbeitslosigkeit der Betroffenen verkürzt hätte, sei erst recht nicht erkennbar. So seien zum Beispiel die Vermittlungsgutscheine "kein geeignetes Instrument, um eine Integration in den Arbeitsmarkt zu befördern". Der Vermittlungsgutschein ermöglicht es Arbeitslosen, die Dienstleistungen privater Arbeitsvermittler in Anspruch zu nehmen.

Auch die erleichterte befristete Einstellung älterer Arbeitnehmer sei wirkungslos verpufft. Die Einführung der Mini-Jobs habe zwar zu einem Boom der geringfügigen Beschäftigung gesorgt, doch die Arbeitslosen hätten davon nicht profitiert. Der Übergang von Mini-Jobs in reguläre Jobs sei eher die Ausnahme.

Existenzgründer-Förderung

Besser fällt das Urteil für die Existenzgründer-Förderung aus. Vor allem das Überbrückungsgeld, aber auch die Ich-AG "erweisen sich als erfolgreiche Instrumente der Arbeitsmarktpolitik", schreiben die Wissenschaftler. "Insgesamt können beide Programme hinsichtlich der Vermeidung einer Rückkehr in die Arbeitslosigkeit als erfolgreich angesehen werden."

Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe (Hartz IV) war nicht Bestandteil der Untersuchungen. Diese erst Anfang 2005 in Kraft getretenen Reform wird separat bewertet. An der Untersuchung waren unter anderem mehrere führende Wirtschaftsforschungsinstitute und das Wissenschaftszentrum Berlin beteiligt. (APA/AFP)