Inode-Chef Michael Gredenberg hat seine Börsepläne doch nicht realisiert.

Foto: Inode
Wien - "Wir hatten Inode schon des Längeren im Visier. Zum einen haben sie gute Aktivitäten gezeigt, zum anderen, weil sie hinsichtlich Geographie und Technik eine Ergänzung zu uns darstellen", sagte UPC-Austria-Chef Thomas Hintze zum STANDARD. Wie berichtet, war am Tag vor Heiligabend durchgesickert, dass der Kabel-TV-Betreiber, ein Tochterunternehmen des US-Konzerns Liberty Global, den heimischen Internetanbieter Inode übernimmt. Die Details zu dem Deal wurden aus börsenrechtlichen Gründen jedoch erst am gestrigen Dienstag kommuniziert.

Rund 95 Mio. Euro legt UPC für das 1996 von Michael Gredenberg und Peter Augustin gegründete Internetunternehmen - beide waren damals gerade erst 20 Jahre alt - auf den Tisch. Gredenberg und Augustin, die 42,5 Prozent der Anteile am Unternehmen halten, werden damit zu stattlichen Millionären.

Die beiden Unternehmen sind sich einig, die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden steht noch aus. Bei der Telekomregulierungsbehörde in Wien war niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Der endgültige Abschluss des Deals (Closing) wird für Februar erwartet.

Ausbreitung aufs Land

"Mit dem Kauf der Inode erweitern wir unsere Reichweite in ganz Österreich. Wir waren mit unseren Produkten seither nur in den Ballungsräumen vertreten, mit Inode erhalten wir mit einem Schlag eine Flächendeckung von 60 Prozent", nennt Hintze eines der Übernahmeziele. Ferner habe UPC jetzt Zugang zur entbündelten letzten Telefonmeile zum Endkunden sowie zu Geschäftskunden.

Viel an der Aufstellung der beiden Unternehmen werde sich nicht ändern. "Die Marke bleibt bestehen mit den Mitarbeitern, die da sind", betont Hintze, verbunden mit dem Hinweis darauf, dass UPC Telekabel in den vergangenen fünf Jahren das einzige Telekomunternehmen am Markt gewesen sei, das "nicht einen einzigen Mitarbeiter abgebaut hat". Auch bei den Verträgen bleibt alles wie gehabt.

Im Sinne eines "sanften, harmonischen und konfliktfreien Übergangs" werden auch Gredenberg und Augustin ein weiteres Jahr bei Inode beschäftigt werden. "Am wichtigsten ist mir, dass die Kunden, Mitarbeiter und die Partner mit dem Deal zufrieden sind", erklärte Inode-Gründer und CEO Gredenberg dem STANDARD.

Nicht ganz auf Eis gelegt, aber vorsichtig beobachtet werden vom neuen Eigentümer die im Herbst von Inode angekündigten Pläne für ein Internet-TV-Angebot."Hier muss man sich noch die technische Stabilität und die Frage der Senderechte genau anschauen", meint Hintze.

Paradebeispiel

Für die Risikofinanzierer gilt der Inode-UPC-Deal als "Paradebeispiel für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Kapitalgeber", sagte Klaus Matzka von Gamma Capital Partners (GCP), die vor einem Jahr mit Global Equity Partners (GEP) bei Inode eingestiegen sind. Das eingesetzte Kapital von rund neun Mio. Euro konnte durch den Verkaufserlös mehr als verdreifacht werden. Mit dem Geld der Risikofinanzierer konnte sich Inode auf Wachstum und technische Investitionen konzentrieren. (Tzschentke/Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2005)