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Andrej Illarionow (links im Bild neben Präsident Putin) legt sein Amt als Wirtschaftberater nieder.

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Moskau - Der wegen seiner scharfen Kritik an der russischen Regierungspolitik bekannte Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir Putin, Andrej Illarionow, ist zurückgetreten. Er habe seinen Rücktritt schriftlich "beim Arbeitgeber eingereicht", sagte Illarionow am Dienstag in Moskau. Putin hatte mehrere Jahre lang an dem liberalen Ökonomen festgehalten, auch wenn dieser immer wieder scharfzüngig andere Meinungen als sein Chef oder die russische Regierung vertrat.

So hatte Illarionow Russlands Beitritt zum Klimaschutz-Protokoll von Kyoto als "Auschwitz für die russische Wirtschaft" kritisiert. Ende 2003 musste er die Aufgabe als Unterhändler Putins bei der G-8 (Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands) abgeben.

Verweis auf Demokratie-Mangel

Andrej Illarionow hat den Rücktritt mit einer zunehmenden Unfreiheit sowie einem Mangel an Demokratie in dem Land begründet. Illarionow war bereits vor rund einem Jahr von vielen seiner Zuständigkeiten entbunden worden nachdem er die Beschlagnahmung des Ölkonzerns Yukos durch den russischen Staat kritisiert hatte.

Er galt als einer der wenigen, verbliebenen kritischen Stimmen im Regierungsapparat. "Es ist eine Sache, in einem Land zu arbeiten, das zum Teil frei ist. Es ist eine andere Sache, wenn das politische System sich verändert hat, und das Land nicht mehr frei und demokratisch ist", sagte Illarionow vor Journalisten. "Ich habe mit einem solchen Staat keinen Vertrag geschlossen, und deshalb ist es absolut unmöglich, im Amt zu bleiben", sagte er.

Widerstand gegen das Kyoto-Protokoll

Der Rücktritt könnte Putin in Verlegenheit bringen, da Russland am Sonntag den Vorsitz der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) übernehmen wird. Illarionow ist dem Westen durch seinen unerbittlichen Widerstand gegen das Klimaschutzprotokoll von Kyoto bekannt, das er als "wirtschaftliches Auschwitz" bezeichnet hatte. Der Ökonom hatte bis vergangenen Jänner Russlands G-8-Team angeführt. Seine liberalen Ansichten belasteten indes jüngst sein Verhältnis zur russischen Regierung. Insbesondere kritisierte er offen die Bemühungen der Regierung, alle Aspekte des russischen Lebens zu zentralisieren, etwa durch die Verstaatlichung großer Unternehmen oder das Entfernen kritischer Stimmen aus Parlament und Medien. (APA)