Wien - Zwei Vereine zum Schutz von geschädigten Anlegern der mittlerweile insolventen Anlagegesellschaft AMIS geraten sich nun selbst in die Haare: Der Anlegerschutzverein AMIS und die Fairtrauen Geld Information GmbH werfen einander gegenseitig "Missbrauch von Daten" vor.

Der Anlegerschutzverein AMIS kündigt in einer Mitteilung rechtliche Schritte gegen "Fairtrauen" an, zudem habe man die Rechtsanwaltskammer "wegen des Verdachts des Verstoßes gegen die Winkelschreiberei-Verordnung" informiert. Dieses Verwaltungs-Strafdelikt besteht dann, wenn jemand, der zur Ausübung des Anwaltsberufes in Österreich nicht berechtigt ist, solche Tätigkeit entgeltlich durchführt.

"Fairtrauen"-Gründerin Daniela Tutsch wies am Dienstag im APA-Gespräch die Vorwürfe zurück. Nicht sie, sondern der Anlegerschutzverein habe unrechtmäßig Kundendaten in Anspruch genommen. Tutsch war im Herbst für einige Zeit Obfrau des Anlegerschutzvereins, Mitte November habe sie den Verein wieder verlassen - wegen "einer sonderbaren Machtübernahme", wie sie erklärt.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) sieht sich nicht mehr involviert in Streitereien unter Anlegerschützern. Geschädigte Anleger sollten sich zunächst an die Rechtsanwaltskammer oder an Konsumentenschützer wenden, empfiehlt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik. Die Angelegenheit sei rechtlich mittlerweile "sehr komplex". Mittlerweile bieten mehrere Gruppierungen geschädigten Anlegern Hilfeleistungen an. Konkrete Empfehlungen dürfe die FMA nicht geben, das wäre "marktverzerrend".

Im Oktober hatte die Finanzmarktaufsicht Strafanzeige gegen AMIS erstattet - wegen des Verdachts des Betrugs bzw. schweren gewerbsmäßigen Betrugs. Über die AMIS Financial Consulting AG wurde die Geschäftsaufsicht verhängt, später wurde über das Unternehmen der Konkurs eröffnet. Damit erlosch auch die Konzession zur Erbringung von Finanzdienstleistungen.

Ende November wurden die beiden mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die AMIS-Affäre, die beiden Firmengründer Harald L. und Dietmar B., in Venezuela verhaftet. Sie stehen unter dem Verdacht des Betrugs und der Veruntreuung von Anlagegelder. Als Verantwortliche der AMIS-Firmengruppe sollen sie im Zeitraum von 1992 bis 2005 rund 15.000 Kunden um Beträge im Gesamtausmaß von rund 70 Mio. Euro geschädigt haben. Für alle Genannten gilt naturgemäß die Unschuldsvermutung. (APA)