Das erste Mautportal auf Österreichs Straßen bei der Fertigstellung.

Foto: EUROPPASS LKW-Mautsystem GmbH
Rom - Die italienische Autobahngesellschaft Autostrade, kürzlich noch Eigentümer des österreichischen Lkw-Mautbetreibers Europpass, sagt dem österreichischen Mauttechnologie-Lieferanten Kapsch TrafficCom den Kampf an. Die italienische Gruppe hat bei der tschechischen Kartellbehörde (UOHS) Einspruch gegen den Beschluss des Verkehrsministeriums eingereicht, Autostrade aus dem Wettkampf um die Errichtung eines elektronischen Lkw-Mautsystems in Tschechien auszuschließen. Ende November konnte Kapsch den 640 Mio. Euro-Auftrag an Land ziehen.

Autostrade behauptet, auf ungerechte Weise vom Wettkampf um das Autobahnsystem ausgeschlossen worden zu sein, der von Kapsch gewonnen worden ist, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" am Donnerstag. Die Italiener weisen die Darstellung des tschechischen Verkehrsministeriums zurück, wonach sie die Bedingungen der Ausschreibung nicht erfüllt hätten.

Zu wenig Erfahrung

"Wir beteuern, dass Autostrade alle Kriterien erfüllt hat, die für den Wettbewerb gefordert waren", sagte Generaldirektor Giovanni Castellucci. Es sei außerdem zu bezweifeln, ob Kapsch über die in den Ausschreibungsunterlagen geforderte Erfahrung beim Mautbetrieb verfüge, sagte Autostrade-Sprecher Francesco De Lorenzo.

Das Pikante daran: Kapsch war auch der Technologielieferant für das heimische Mautsystem, ebenfalls auf Mikrowellenbasis basierend. Beauftragt wurde Kapsch von Europpass, damals noch Tochter der Autostrade. Eine Stellungnahme von Kapsch TrafficCom war kurzfristig nicht zu erhalten.

Aus dem Verkehrsministerium in Prag hieß es, die Italiener seien aus dem Wettbewerb ausgeschlossen worden, weil sie ungenügende Informationen über die Umweltbelastung ihres Mautsystems vorgelegt haben. Von ursprünglich 102 Interessenten am tschechischen Mautsystem hatten zuletzt nur vier ein verbindliches Angebot abgegeben. Der Schweizer Mautbetreiber Fela verlangte laut einer vom Prager Verkehrsministerium veröffentlichten Liste zunächst 12,6 Mrd. Kronen (429 Mio. Euro), die Autostrade 14,7 Mrd. Kronen, Kapsch 18,5 Mrd. Kronen und die Strabag (bzw. deren Betriebsgesellschaft A-Way) 28 Mrd. Kronen.

Seit Mitte Dezember läuft bei der UOHS in dieser Angelegenheit schon ein Überprüfungsverfahren, das ein anderer nicht erfolgreicher Mitbewerber, das Konsortium Mytia um die schweizerischen Firmen Ascom und Fela, und drei weitere unbekannte Beschwerdeführer initiiert hatten. Auf Grund dieser Beschwerde ordnete UOHS eine "vorläufige Maßnahme" an, wonach der Auftraggeber - das Prager Verkehrsministerium - mit Kapsch zunächst keinen Vertrag über die Errichtung des Maut-Systems unterzeichnen darf, bevor die Beschwerden überprüft worden sind.

Osteuropa Priorität

Für die Italiener ist der Ausschluss aus dem Wettkampf in Tschechien ein harter Schlag. Die Expansion in Osteuropa zählt nämlich zur Priorität der europaweit stärksten Autobahngesellschaft. "Wir wollen das österreichische Lkw-System nach Tschechien, Slowenien und Kroatien exportieren. In Osteuropa gibt es kein Mautsystem und wir können die beste Technologie anbieten", hatte Autostrade-Chef Vito Gamberale noch kürzlich betont. Autostrade hat 2005 Investitionen im Wert von zehn Mrd. Euro durchgeführt. Auch an der Errichtung eines britischen Mautsystems ist Autostrade interessiert.

In Tschechien soll die Maut auf Autobahnen und Schnellstraßen 2007 kommen und für Lkw über 12 Tonnen gelten - wie dies auch in Deutschland der Fall ist. In Österreich hingegen müssen bereits Lastwagen ab 3,5 Tonnen zahlen. (APA)