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Russland will den Preis für je 1.000 Kubikmeter Erdgas von derzeit 50 Dollar (42 Euro) auf 220 bis 230 Dollar (186 bis 194 Euro) anheben. Das entspricht in etwa dem Weltmarktniveau

Foto: Reuters/Korotayev
Wien - Russlands Präsident Wladimir Putin spricht bereits von einer "echten Krise", an der Moskau aber wohl nicht ganz unschuldig ist. Am Donnerstag wurde ein Gipfelgespräch zwischen den Energieministern Russlands, Viktor Christenko, und der Ukraine, Iwan Platschkow, ergebnislos beendet. Zuvor hatte Moskau Kiew das sprichwörtliche Messer angesetzt: Fleischimporte aus der Ukraine wurden gestoppt und ein neuer Großliefervertrag mit Turkmenistan abgeschlossen, über Gas, das traditionell an die Ukraine geliefert wurde.

Dadurch steigt die Abhängigkeit der Ukraine von den Gaslieferungen der russischen Gasprom abermals. Der mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche größte Erdgasproduzent der Welt fordert ultimativ, dass Kiew künftig den Weltmarktpreis von rund 230 Dollar pro 1000 Kubikmeter Erdgas statt des bisherigen Vorzugspreises von 50 Dollar zahlt - andernfalls will man am Sonntag um 8.00 Uhr nach mitteleuropäischer Zeit den Gashahn abdrehen.

Putin soll der staatlichen ukrainischen Gasgesellschaft Naftogas einen Kredit über 3,6 Milliarden angeboten haben, um den höheren Gaspreis finanzieren zu können.

Die OMV in Wien sagt, dass Gasprom ein "exzellenter und verlässlicher Partner" sei. Seit mehr als 35 Jahren sei es zu keinen Lieferschwierigkeiten gekommen. Die OMV wäre 1968 das erste westeuropäische Unternehmen gewesen, das Lieferverträge mit Russland abgeschlossen hat.

Ungarn verlangt neue Liefergarantien

Weniger gelassen reagiert Ungarn. Dort wurden die Botschafter Russlands und der Ukraine in das Außenamt zitiert. Der ungarische Energiekonzern MOL verlangt neue Liefergarantien der Russen.

Aber auch Herbert Lechner von der Energieagentur glaubt an keine Versorgungsengpässe, obwohl russisches Gas für Westeuropa durch die Ukraine transportiert wird. Sollte das Crash-Szenario eintreten und Moskau am 1. Jänner tatsächlich den Gashahn abdrehen, würde die Reserven wohl für zwei bis drei Monate reichen, schätzt Lechner.

Die OMV meint: Derzeit verfüge man in den Erdgasspeichern Schönkirchen, Thallesbrunn, Thann über eine Menge von 1,3 Mrd m³. Mit diesen Mengen könnte Österreich zwei kalte Wintermonate hindurch versorgt werden. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.12.2005)