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Derek Bailey in Aktion: Der Gitarrist formulierte Gedanken freejazzig.

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London - Sein Modernismus genoss spätestens ab den 90er-Jahren kultige Verehrung. Derek Bailey war jene Zentralgestalt des europäischen Free Jazz, die diese Musik wohl am konsequentesten zu Ende dachte - und dabei aktuell blieb. Denn: Freie Improvisation bedeutete für den Gitarristen, der sich mit dem Spontaneous Music Ensemble und der Music Improvisation Company sukzessive von den Usancen des konventionellen Jazz wie auch des US-Free-Jazz löste, Freiheit von allen stilistischen und expressiven Automatismen.

1971 legte Bailey mit Solo Guitar Volume 1 das erste Dokument seiner Vision einer klingenden Meta-Sprache, einer "non-idiomatischen Musik" vor, mit dem er dem Gitarrespiel mittels eines Arsenals an abstrakten Klängen eine neue Dimension erschloss. Ab Mitte der 70er entzog er sich dem Spiel in festen Gruppen, um so der Gefahr "improvisatorischer Arterienverkalkung" (so Bailey in seinem Buch Improvisation - Kunst ohne Werk), also der Verknöcherung vorzubeugen.

Fortan pflegte er seine Musik in "Company Weeks" genannten Treffen oder in Einzel-Meetings mit Kollegen. 2002 nahm er entgegen seiner ästhetischen Linie mit den bizarren Standardversionen von Ballads eines der fabulösesten Alben der letzten Jahre auf. Am 25. Dezember ist der höchst einflussreiche Eigenbrötler in London gestorben. (DER STANDARD, Printausgabe vom 31.12.2005 /1.1.2006)