Nach den weltweiten Computerausfällen durch den Virus "I love you" mehren sich auch im Bundestag die Stimmen gegen die Marktdominanz des US-Softwareherstellers Microsoft . Abgeordnete von SPD, FDP und Grünen erklärten am Donnerstag im Bundestags, die Microsoft-Monokultur habe die Verbreitung des Computer-Virus begünstigt. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gab ihnen recht. Matthias Berninger (Grüne) forderte europaweite Maßnahmen nach dem Vorbild der USA gegen Microsoft. Vertreter aller Fraktionen verlangten internationale Schritte für Sicherheit im Netz. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, sprach von "einer Bringschuld der Wirtschaft". Schily warnte davor, die großen Chancen des Internets angesichts der Gefahren zu zerreden. "Entscheidend ist die technische Prävention, und zwar die softwaretechnische." Auch der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Siegmar Mosdorf (SPD), sagte, es ließen sich für ein dezentrales Medium wie das Internet nicht zentralistische Lösungen finden. Für die CDU warf Sylvia Bonitz der Regierung vor, sich mit dem Problem nicht ausreichend zu beschäftigen. Norbert Geis von der CSU schlug eine Erhöhung des Strafrahmens bei entsprechenden Delikten vor. Ute Vogt von der SPD forderte, Privatanwender müssten stärker vor den Gefahren gewarnt werden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hubertus Heil (SPD) verlangte, Initiativen wie den Hamburger Chaos Computer Club in den Kampf gegen die Viren einzubeziehen. Grietje Bettin von den Grünen sagte, der "I love you"-Virus sei ein Alarmsignal, aber auch eine Chance. Wiefelspütz sagte, es gebe in Deutschland keinen gesetzlichen Nachholbedarf. Für Sicherheit im Internet müsse vor allem die Wirtschaft sorgen: "Wer ein Auto in den Verkehr bringt, muss es sicher machen." Mosdorf ergänzte, die Wirtschaft müsse ihren Beitrag zur Sicherheit im Internet leisten, wolle dies aber auch im eigenen Interesse. Auch Schily sagte, die Bundesregierung beziehe die Wirtschaft in ihre Aktivitäten beim Kampf gegen Computerkriminalität ein. Der Gerling-Konzern bietet künftig eine Versicherung für mittelständische Unternehmen gegen Computerviren an. Gedeckt sind die Kosten für die Wiederherstellung von Daten und der Ertragsausfall. (Reuters)