Wien - Der zu Jahresbeginn in Österreich eingeführte Dienstleistungsscheck sorgt weiter für Aufregung. Insbesondere die Gewerkschaft ist skeptisch, dass der in ausgewählten Trafiken und Postämtern erwerbbare Scheck "das Gelbe vom Ei" ist, wie der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske, am Mittwoch formulierte.

"Zur Abschaffung der Schwarzarbeit wird dieser Scheck nicht führen. Auch gibt es noch viele ungeklärte Fragen", sagte Kaske. So falle es schwer nachzuweisen, dass eine Person, für die ein Dienstleistungsscheck gelöst wurde, bei Ausbruch der Krankheit beschäftigt war. Dies sei aber Voraussetzung, damit Geld fließen könne, sagte Kaske.

Nach Ansicht der Gewerkschaft wäre es besser, Organisationen wie das Home Service in Wien oder das Niederösterreichische Hilfswerk einzubinden. Diese Vereine sollten Haushaltshilfen, die derzeit meist unangemeldet und damit unversichert ihre Arbeit als Putz-, Pflege- oder Gartenkraft verrichten, anstellen, bezahlen und das Geld von den Auftraggebern kassieren.

150.000 Personen

Schätzungen zufolge sind in Österreich bis zu 150.000 Personen in den vom Dienstleistungsscheck erfassten Bereichen aktiv - großteils illegal, da nicht angemeldet und meist ohne Arbeitsgenehmigung. Die einzige Möglichkeit, diese Personengruppe aus der Schwarzarbeit in die Legalität zu überführen, wäre eine Amnestie. Aufgrund der schwierigen Situation am Arbeitsmarkt mit mehr als 300.000 Arbeitslosen im Dezember kann sich Kaske so einen Schritt aber nicht vorstellen.

Zunehmend sei man auch mit "dubiosen" Arbeitsverträgen konfrontiert, wo Mitarbeiter aufgefordert würden, bei der Einstellung All-inclusive-Vereinbarungen oder Konkurrenzklauseln zu unterschreiben. Sollte diese Praxis nicht eingestellt werden, werde die HGPD in Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer (AK) eine "Warnliste" im Internet veröffentlichen. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 05.01.2006)