Caracas - Erstmals nach der Rückkehr zur Demokratie vor 48 Jahren hat in Venezuela ein Kongress ohne Oppositionsabgeordneten seine Arbeit aufgenommen. Die neuen 167 Parlamentsmitglieder wurden am Donnerstagabend (Ortszeit) in Caracas vereidigt. Mehrere Abgeordnete nannten als wichtigstes Ziel des neuen Parlaments übereinstimmend die "Konsolidierung des Revolutionsprojekts" des linksnationalistischen Staatspräsidenten Hugo Chávez. Die Bürokratie und die Korruption sollten weiterhin bekämpft werden, hieß es.

Protest wegen angeblicher Betrugspläne

Die wichtigsten Oppositionsparteien hatten nur fünf Tage vor den Parlamentswahlen Anfang Dezember ihre Teilnahme zurückgezogen. Sie führten als Motiv angebliche Betrugspläne der umstrittenen Regierung an. Chávez entgegnete, die Opposition habe die Nichtteilnahme beschlossen, um sich eine schwere Niederlage zu ersparen. Bei den Wahlen war eine Enthaltung von knapp 75 Prozent registriert worden.

114 Abgeordnete der "Asamblea Nacional" (Nationalversammlung) stammen nun von Chávez' Partei "Bewegung der 5. Republik" (MVR), während die anderen 53 Parlamentarier Parteien der Regierungskoalition angehören. Sie alle sind für fünf Jahren gewählt worden.

Kongresspräsident Nicolás Maduro erklärte am Donnerstag, Chávez trage keine Schuld an der Abwesenheit der Opposition im Parlament. Der soziale Pluralismus sei aber gewähleistet. Es beginne "ein neuer Zyklus mit mehr Demokratie, hin zum Sozialismus". (APA/dpa)