Port-au-Prince - Mehrere Kandidaten für die Parlamentswahlen in Haiti wollen ihre Kampagne nach Informationen der Vereinten Nationen mit Lösegeldern aus Geiselnahmen finanzieren. Die auffällige Entführungsserie im Dezember stehe vermutlich mit dem Wahlkampf für den bereits mehrfach verschobenen Urnengang in Zusammenhang, sagte der UNO-Sondergesandte in Haiti, Juan Gabriel Valdes, am Donnerstag der chilenischen Zeitung "La Segunda".

Die UNO und die haitianische Interimsregierung würden es nicht zulassen, dass "Drogenhändler oder politische Gruppen" Geiseln zur Einflussnahme auf den Wahlprozess missbrauchten. In einigen Entführungsfällen seien Lösegelder in Höhe von einer halben Million Dollar (413.000 Euro) gefordert worden; nach Verhandlungen seien schließlich nur 5.000 Dollar gezahlt worden, sagte Valdes.

Entführungen häufen sich

In dem krisengeschüttelten Karibikstaat häufen sich derzeit Entführungen. Die Kidnapper fordern meist ein Lösegeld für die Freilassung ihrer Geiseln. Allein im Dezember wurden in der Hauptstadt Port-au-Prince rund neunzig Menschen verschleppt. Zuletzt kamen am vergangenen Sonntag zwei Wahlhelfer der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und die Frau von einem der beiden Männer nach drei Tagen Geiselhaft wieder frei.

Die ursprünglich für Sonntag geplanten Wahlen wurden Anfang Jänner erneut verschoben. Als möglicher neuer Termin für den Urnengang, der ursprünglich einmal für den 13. November 2005 vorgesehen war, war nach Angaben aus der provisorischen Wahlbehörde (CEP) und der Regierung der 7. Februar im Gespräch. Es war bereits das vierte Mal, dass die Wahlen verschoben wurden. Valdes sagte, er hoffe auf einen Termin zwischen dem 29. Jänner und dem 7. Februar.

Der ehemalige Präsident Jean Bertrand Aristide hatte Anfang 2004 nach monatelangen Unruhen Haiti verlassen. Die Lage in dem Karibikstaat, wo seit dem Frühjahr 2004 eine UNO-Schutztruppe stationiert ist, ist nach wie vor instabil. (APA)