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Foto: Reuters/ Rellandini
Bad Gastein - Bad Gastein hat - fast unbemerkt - eines der bemerkenswertesten Comebacks im Welt-Sport erlebt. Shaun Palmer, US-Superstar der Funsportszene, hat sich mit seinem ersten Podiumsplatz im FIS-Snowboard-Weltcup praktisch die Startberechtigung bei den Olympischen Spielen in Turin gesichert. Und das im für Snowboarder "biblischen" Alter von 37 Jahren.

Idol der Funsport-Generation

2002 war der multitalentierte, fünfmalige ISF-Weltmeister und sechsfache X-Games-Sieger, der darüber hinaus im Skiercross, Mountainbike, Snowmobile und auf der Motocross-Maschine Siege und Medaillen abgeräumt und sich so zum Idol einer ganzen Funsport-Generation gemacht hat, zurückgetreten. Der einstige Weltsportler des Jahres (USA Today), der in den USA den X-fachen Bekanntheitsgrad etwa seines skifahrenden Kumpels Daron Rahlves hat, war einfach von der Bildfläche verschwunden. Angeblich, um sich der Weiterentwicklung seiner Palmer-Snowboards zu widmen.

In Bad Gastein gestand Palmer nun im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur erstmals ein, warum er sich vergangenen Sommer entschlossen hatte, zurückzukehren. "Ich hatte mein Leben fast weg geworfen", berichtete Palmer von schwersten Alkohol- und Drogenproblemen. Vergangenen Mai musste er in South Lake Tahoe bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert werden. "Eine halbe Stunde noch, und er wäre tot gewesen", sagte Palmers Freundin, die mitgeholfen hat, den Adrenalin-Junkie und Tattoo-Freak wieder mit der Droge Sport zu infizieren.

"Bill Johnson im TV gesehen"

"Ich musste einen neuen, starken Fokus finden, sonst wäre ich drauf gegangen", erklärte Palmer, warum er sich die Qualifikation für die Spiele in Turin in den Kopf gesetzt hat. "Ich habe mit meiner Oma im TV verfolgt, wie Bill Johnson Olympiasieger geworden ist. Seitdem faszinieren mich die Spiele", erklärte der Kalifornier, warum Sport und speziell gerade Olympia als Ziel gerade stark genug war, um ihn von Alkohol und Drogen wieder weg zu bringen.

"Ich hätte locker gewinnen können"

Und dass er selbst mit 37 Jahren besser ist als viele Jüngere, bewies "The Palm" auch in Bad Gastein. Beim FIS-Debüt in Whistler noch auf den Plätzen 17 und 25, verpasste er in Salzburg als Zweiter und Fünfter nur knapp einen Weltcup-Sieg. "Kleine, dumme Fehler. Ich hätte locker gewinnen können", so Palmer, der eines der besten und schnellsten Boards in der Szene fährt. Sein eigenes.

Mit seinem Alter habe er kein Problem, so Palmer. "Sollen vielleicht andere eines damit haben, mir ist das egal. Ich bin vom Speed her immer noch schneller als die meisten anderen, dazu habe ich eine Menge Routine. Ich will zu Olympia." Bezüglich seiner hoffentlich gemeisterten Lebenskrise könne er den jungen Menschen nur raten: "Seid wachsam. Seid verdammt vorsichtig und passt auf euch auf!" (APA)