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Confed Cup 2005: Das Dach der Frankfurter Commerzbank-Arena wird mit einem Platzregen nicht fertig.

Foto: APA/EPA/Dedert
Hamburg - Das Organisationskomitee der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland reagiert verwundert und empört auf die angekündigte Studie der Stiftung Warentest, die in den zwölf WM-Stadien teilweise beträchtliche Sicherheitsmängel entdeckt haben will. "Wenn es tatsächlich gravierende Mängel gibt, dann wundere ich mich darüber, dass man sie nicht sofort bekannt gibt, denn es findet ja ein regelmäßiger Spielbetrieb in den Stadien statt. Es wäre geradezu fahrlässig, mit einer Bekanntgabe der Mängel zu warten", sagte OK-Sprecher Gerd Graus.

Der Studie zufolge könnte eine Panik in den Stadien verheerende Folgen haben. Auch beim Brandschutz seien Defizite entdeckt worden. Details der Studie und die Namen der betroffenen Arenen will das unabhängige Institut auf einer Pressekonferenz am 19. Jänner in Berlin veröffentlichen. Dagegen geht das OK davon aus, dass die WM-Stadien von den Bauaufsichten der Städte auch auf die Sicherheitskriterien geprüft worden sind und dieser Überprüfung Stand gehalten haben.

Ins Visier der Tester ist unter anderen das Berliner Olympiastadion geraten, dessen Umbau der Bund mit 242 Millionen Euro komplett finanziert hatte. "Ja, es gab Bemängelungen", bestätigte Detlef Reichenbacher, Technischer Leiter der Arena. So sei zum Beispiel der Reportergraben zwischen Tribüne und Innenraum bemängelt worden, der bei einer Panik eine Flucht in den Innenraum verhindere.

"Doch der Graben ist denkmalgeschützt, kann nicht einfach zugeschüttet werden", erklärte Reichenbacher. Dafür seien die Fluchtwege nach hinten extra breit. "Bei einem denkmalgeschützten Bauwerk dieser Größe muss man immer Kompromisse eingehen."

Für Stadionchef Peter von Löbbecke ist das Olympiastadion eine der sichersten Arenen in Deutschland. "Unser Stadion hat von der FIFA die Höchstnote bekommen. Außerdem haben Tests gezeigt, dass es innerhalb von zwölf Minuten geräumt werden kann", sagte von Löbbecke.

Investitionssumme 1,5 Milliarden

Die zwölf WM-Stadien waren mit einer Gesamtinvestition von 1,5 Milliarden Euro umgebaut oder neu gebaut worden. Die Baumaßnahmen sind außer Stuttgart (Jänner) und Kaiserslautern (Februar) bereits komplett abgeschlossen.

OK-Chef Beckenbauer wollte sich in Unkenntnis der Ergebnisse nicht äußern. Kurz zuvor hatte er beim offiziellen Empfang des WM-OK am Freitag in Frankfurt noch launisch angemerkt: "2005 war recht erfolgreich. Wenn nun das Dach noch zugeht und die eine oder andere Scharte ausgemerzt wird, wird dieses Jahr ganz gut."

Gerade die Dachkonstruktionen der Stadien in Frankfurt und Kaiserslautern hatten in den vergangenen Monaten für Probleme und auch international für Negativschlagzeilen gesorgt. (APA/dpa)