Monaco - Der 11. Jänner ist für Formel-1-Testpilot Alexander Wurz ein besonderer Tag. Der 31-jährige Niederösterreicher fährt am Mittwoch in Jerez de la Frontera erstmals mit seinem neuen Arbeitsgerät, dem Williams-Boliden. "Das alte Jahr hat mit der Geburt meines zweiten Sohnes Charlie perfekt aufgehört und das neue Jahr sowohl geschäftlich als auch beruflich super begonnen", betonte Wurz am Dreikönigstag im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

"Meine jetzige Situation bei Williams ist einfach perfekt. Es gibt keinen besseren Vertrag für einen dritten Fahrer - sowohl finanziell als auch die Zukunft betreffend", erklärt der Perchtoldsdorfer, der am Montag nach fünf Jahren als Testfahrer bei McLaren zum Traditionsrennstall von Frank Williams gewechselt war. "Das ist eine ganz besondere Herausforderung für mich. Ich will Williams die größtmögliche Hilfe sein, damit das Team wieder an die Spitze kommt."

Über Vertragdetails wurde zwar Stillschweigen vereinbart, doch da der Fahrervertrag des Australiers Mark Webber Ende 2006 ausläuft, hat Wurz gute Chancen, 2007 Rennpilot zu werden. "Zu solchen Spekulationen möchte ich nichts sagen, nur so viel: Für meinen Wechsel zu Williams war eine Kombination vieler Faktoren ausschlaggebend - auch die langfristige Perspektive", meinte der ehemalige Benetton-Fahrer geheimnisvoll.

Beim englischen Rennstall, der es bisher auf neun Konstrukteurs (zuletzt 1997) und sieben Fahrer-Titel (zuletzt Jacques Villeneuve/CAN 1997) gebracht hat, aber 2005 nur Fünfter der Konstrukteurswertung wurde, ist nämlich mit Ausnahme von Spitzenpilot Webber alles neu. Mit GP2-Champion Nico Rosberg, Sohn des finnischen Ex-Weltmeisters Keke Rosberg (1982 mit Williams), erhält der WM-Zehnte des Vorjahres neben Wurz noch einen weiteren neuen Teamkollegen, dazu wechselte Williams neben dem Motor- (Cosworth statt BMW) auch den Reifenpartner (Bridgestone anstelle von Michelin).

"Wenn man Frank Williams kennt, dann weiß man, dass es nur eine Zielsetzung für ihn gibt: Ganz oben auf dem Podest stehen. Das ist natürlich realistisch betrachtet jetzt noch nicht möglich. Doch das Team wird alles daran setzen, dass es den Rückstand so schnell wie möglich aufholen und wieder ganz oben stehen wird", prophezeit Wurz, der vor allem dem Cosworth-Motor großes Potenzial bescheinigt, "denn die haben schon viel Erfahrung mit dem V8-Aggregat".

Durch die neue Motorregelung - Reduzierung von 10 auf 8 Zylinder und von 3 auf 2,4 Liter Hubraum, was etwa 200 PS weniger Leistung zur Folge hat - glaubt Wurz, dass die Abstände in der Formel 1 knapper werden. "Prognosen sind bei uns natürlich immer sehr schwierig. Doch bei den Tests waren Toyota und BAR sehr schnell und haben auch in punkto Standfestigkeit überzeugt. Die dürften einen Motorenvorsprung haben. Die anderen Teams werden dagegen die Karten erst beim Saisonauftakt am 12. März in Bahrain aufdecken, doch ich erwarte Renault, Ferrari, Williams und McLaren eng beisammen."

Williams präsentiert das neue FW28-Modell am 27. Jänner im Teamsitz in Grove, bis dahin dreht Wurz seine Runden in einem Übergangsmodell mit dem neuen V8-Cosworth-Motor, aber dem alten FW27-Chassis. Zuletzt saß der Niederösterreicher am 10. Dezember in Jerez de la Frontera hinter dem Steuer eines F1-Boliden, es war seine Abschiedsvorstellung im McLaren-Mercedes. (APA)