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Erster Schultag ohne den Musterschüler: Trainer Georg Zellhofer dufte zum Auftakt seiner Rapid-Ära Andreas Ivanschitz nicht begrüßen, aber die Bälle lagen ihm zu Füßen.

Foto: Reuters/Zolles
Wien - Bisweilen schlagen zwei Seelen in nur einer Brust, bei Rapids Präsident Rudolf Edlinger sind es "zwei Herzen". Da wäre das eine, das emotionale, "das vor Ärger fast geplatzt" wäre. Und da pumpert das andere, das zur Vernunft mahnende, das drauf hinweist, "dass ich Verantwortung trage. Und da geht es nicht nur um die Arbeitsplätze der Spieler. Zu einem Verein gehören Platzwart, Sekretärinnen und andere, die eben nicht in der Öffentlichkeit stehen. Grad die haben ein Recht auf einen abgesicherten Job."

Soll heißen: Andreas Ivanschitz kann (und wird) zu Salzburg wechseln. Sofern die Ablöse stimmt. Gerüchteweise könnte die bei fünf Millionen Euro liegen. Rapids Sportdirektor Peter Schöttel verhandelt offiziell mit Salzburgs Trainer Kurt Jara. Wer in der günstigeren Ausgangsposition ist, kann nicht eindeutig geklärt werden, die Henne war vor dem Ei da, oder auch umgekehrt. Schöttel sieht Rapid aber schon im Dilemma: "Wenn wir Ivanschitz nicht hergeben, sind wir die Bösen und gelten als jene, die eine Karriere ruinieren. Das ist eigentlich verrückt, aber leider Realität." Edlinger: "Red Bull beging eine stillose Abwerbung, setzte alle moralischen Regeln außer Kraft. Sie lockten einen, der einen Vertrag bis 2007 hat, mit einem unermesslichen Gehalt." Der Wechsel von Steffen Hofmann zu 1860 München sei dagegen ordnungsgemäß ablaufen. "Da wurden sämtliche Regeln eingehalten." Ivanschitz soll bei den Bullen pro Jahr 1,4 Millionen Euro kassieren, bei Rapid dürfte er maximal ein Drittel verdient haben.

Hütteldorf wird zum gallischen Dorf. Edlinger ist der Majestix, Schöttel der Obelix, nur dünner. Man kämpft gegen den übermächtigen Feind an. "Ich will mich jeden Tag in den Spiegel schauen können", sagt der Majestix. Rapid war an Mattersburgs Michael Mörz interessiert, Edlinger fragte bei Obmann Martin Pucher an. Der lehnte ab. "Folglich legen wir Mörz kein Angebot." Als man einen Nachfolger für Josef Hickersberger suchte (zur Auswahl standen Georg Zellhofer und Walter Schachner), wurden die Präsidenten (Franz Grad von Pasching und Harald Sükar vom GAK) informiert. Edlinger: "Hätten sie abgelehnt, hätten wir das akzeptiert."

Ivanschitz musste am Donnerstag nicht zum ersten Training erscheinen, Schöttel hat ihn nach Absprache mit Trainer Zellhofer (hatte einen zumindest nicht einfachen ersten Schultag) freigestellt. "Eine Erleichterung für alle Beteiligten." Man wolle Ivanschitz nicht schaden. "Er muss damit leben, als Geldsack dazustehen. Ich glaube, er hat Rapid viel zu verdanken. "

Dankbarkeit sei im Kick keine Kategorie. Das weiß Schöttel, "so naiv bin ich nicht". Trotzdem müsse man nicht sämtliche Mechanismen übernehmen. "Als Hickersberger zum Teamchef bestellt wurde, hätte wir ihn freistellen müssen. Das ist üblich im Geschäft. Aber wir wollten ihm die Champions League nicht nehmen, das wäre unmenschlich gewesen. Sie war sein Kind." Man müsse Prinzipien treu bleiben. "Auch wenn sie einen manchmal lähmen."

Edlinger hält die Liga "für kaputt". Streicht man Red Bull und gerade noch die Austria (bis zum endgültigen Abschied von Frank Sronach), "ist Rapid der einzige Verein, der solide dasteht. Ich bin nicht bereit, sinnlos zu riskieren." Natürlich wird man sich nach einer Verstärkung umsehen. "Aber wenn die anderen Klubs glauben, man kann Ablösen in die Höhe treiben, irren sie. Das ist unmoralisch." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUGABE 7./8.1. 2006)