Kontrovers wie der Politiker Ariel Sharon selbst waren die Reaktion auf das Ende seiner politischen Karriere unter den Palästinensern und in der arabischen Welt. Einigkeit herrschte in der Einschätzung, dass sein Einfluss auf die Geschehnisse im Nahen Osten über Jahrzehnte ein gewichtiger war. Arabische TV-Sender berichteten rund um die Uhr über die Entwicklung in Jerusalem und ließen Politiker und Beobachter beider Seiten zu Wort kommen.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas kontaktierte die israelische Führung und drückte seine Betroffenheit aus. Zu den politischen Konsequenzen meinte Vizeregierungschef Nabil Shaath, er glaube nicht, dass Sharon je Vertrauen in den Friedensprozess gehabt habe, aber sein Zustand werde die Unsicherheit erhöhen. Der - zurückgetretene - Premier Ahmed Korei schlug einen ähnlichen Ton an. Man suche israelische Führer, die bereit seien, sich an den Tisch zu setzen und gemeinsam eine Lösung zu suchen. Zu Wochenbeginn hatten israelische Medien berichtet, Sharon wolle die Roadmap, den derzeitig gültigen Friedensplan, in den Papierkorb werfen und suche den Segen Washingtons für einen eigenen Plan.

"Geschenk Gottes"

Wenig Zurückhaltung legten sich die Sprecher der islamistischen Hamas und von radikalen Palästinenserfraktionen in Damaskus auf. Die Welt sei dabei, von einem ihrer schlimmsten Führer befreit zu werden und sei besser dran ohne ihn. Das sei ein Geschenk Gottes. Sharon habe über Jahrzehnte Massaker und Terror gegen das palästinensische Volk verübt, lautete der Tenor dieser Stimmen.

In der arabischen Welt ist Sharon die personifizierte Besetzung. "Bulldozer" und "Schlächter" sind oft gelesene Charakterisierungen. Und so wie er sich selbst sieht, nämlich als Krieger (Titel seiner Autobiografie), wird er auch hier wahrgenommen. Seine jüngste Verwandlung von einem Ultra-Falken in einen Friedensapostel hat ihm die Bevölkerung in den palästinensischen Gebieten und in den arabischen Ländern nicht abgekauft. Im besten Fall gesteht man ihm zu, dass er eine gewissen Stabilität aber keine Grundlagen für einen dauerhaften Frieden erreicht hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.1.2006)