Das hat man davon, wenn man sich als Mozartforscher bezeichnet und mit einem Film ("Der Wadenmesser oder Das wilde Leben des Wolfgang Mozart", als DVD im Handel) und einem Buch ("Der Wolfgang ist fett und wohlauf. Essen und trinken mit Wolfgang Amadé Mozart", 320 Seiten, 39 Abb., Löcker Verlag, Wien 2005) über Gnagflow Trazom an die Öffentlichkeit tritt: Schon rufen am Sonntagvormittag ältere Damen an und möchten wissen, welche Schuhgröße Mozart hatte und ob es stimme, dass Wolfgang Amadé mit einem Indianer befreundet gewesen wäre. Nicht genug damit, schicken Ärzte seitenweise medizinische Abhandlungen, um zu beweisen, dass Mozart an den Folgen eines Sturzes vom Pferd gestorben sei und dass sich seine Grabstätte nicht in Wien, sondern irgendwo im tiefsten Waldviertel befinde.

Mir gefällt das alles, weil es zeigt, welch absurde Spuren das Phänomen Mozart bis heute hinterlassen hat. Jeder in unserem Kulturkreis wird im Laufe seines Lebens ja von Mozart gestreift. Einige werden allerdings auch von einer Mozartkugel getroffen und fallen um. Wenn sie dann wieder aufstehen, sind sie felsenfest davon überzeugt, alles über Mozart zu wissen. Das sind dann die Vertreter der reinen Lehre, die sich nicht selten als reine Leere entpuppt. Diese Leute, die sich im Sommer vorzugsweise in Salzburg treffen, vermitteln gerne den Eindruck, dass Mozart nur deshalb gelebt habe, damit sie es sich auf seine Kosten gut gehen lassen können.

Mozart selbst hätte beim Anblick dieser Leute möglicherweise dasselbe geschrieben, was er über eine adelige Ansammlung bei einem Konzert in Augsburg geschrieben hatte: "Es war eine menge Nobleße da, die Ducheße arschbömerl, die gräfin brunzgern, und dan die fürstin riechzumtreck, mit ihrn 2 töchter, die aber schon an die 2 Prinzen Mußbauch vom Sauschwanz verheyrathet sind." Diese Personengruppe wird mit dieser Kolumne wenig Freude haben. Ich wende mich eher an ein undogmatisches Publikum, das an einer "mozartfröhlichen" Wissenschaft interessiert ist und kein Problem damit hat, wenn es sich abseits ausgetretener Mozart-Rezeptionspfade ins Unterholz schlägt und dort auf das eine oder andere interessante Fundstück stößt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.1.2006)