Berlin - Nach dem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat EU-Energiekommissar Andris Piebalgs ein Konzept angekündigt, das die 25 EU-Mitgliedsstaaten zum Aufbau umfangreicher Gasvorräte verpflichten soll. "Meine zentrale Forderung lautet: Jedes Land soll mindestens zwei Monate Lieferausfall überbrücken können", sagte Piebalgs dem deutschen Magazin "Focus" laut Voraus-Bericht vom Samstag. Er arbeite an einem entsprechenden gemeinsamen europäischen Konzept.

Der lettische EU-Kommissar sagte zudem, er setze trotzt des jüngsten Streits auf die Zuverlässigkeit Russlands. "Die Russen können rechnen. Die EU ist ihr wichtigster Abnehmer. Auf diese Einnahmequelle werden sie nicht verzichten."

Auch das größte deutsche Gas-Unternehmen E.ON-Ruhrgas erklärte, man zweifle nicht an der Zuverlässigkeit Russlands. "Russisches Gas fließt seit mehr als 30 Jahren zuverlässig nach Deutschland, und in dieser Zeit ist wesentlich mehr passiert als in der vergangenen Woche", sagte E.ON-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann dem Magazin. Die Situation in Deutschland sei auch nicht mehr der des Streits zwischen Russland und der Ukraine zu vergleichen. "Wir haben klare langfristige Lieferabkommen, in denen Preise und Mengen geregelt sind. Es gibt nicht diese vertraglichen Unsicherheiten, die die Ukraine hatte. Außerdem zahlen wir Marktpreise."

Russland und die Ukraine hatten am Mittwoch auch unter internationalem Druck ihren Streit um höhere Preise beigelegt. Zuvor hatte der russische Gazprom-Konzern der Ukraine zeitweise das Gas abgedreht, was auch in vielen Ländern Europas zu Lieferausfällen geführt hatte. (APA/Reuters)