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Foto: apa/dpa/quadros
Peggau - Sich in tief-dunkle Schluchten abseilen, durch einen engen Canyon marschieren, einen See mit dem Schlauchboot überqueren - was sich sommerlich anhört, ist in der Steiermark eher ein Winterabenteuer: In der Lurgrotte bei Peggau nördlich von Graz können abenteuerlustige kleine Gruppen in der kalten Jahreszeit - sicher vor überraschenden Wassereinbrüchen - weit in die Tropfsteinhöhle vordringen. Ausgerüstet mit Schutzanzug, Helm, Karbidlampe und Kletterausrüstung dringt man in Tiefen vor, die viel Überraschendes bergen - Tropfstein-"Kinderstuben", quallenförmige Gebilde, Sinterterrassen, kleine Höhlenspinnen und Fledermaus-Schlafkolonien.

Abenteuerführungen dauern fünf bis sieben Stunden

Die Abenteuerführungen werden ausschließlich in den Wintermonaten, das heißt von 1. Dezember bis 31. März durchgeführt. In den Sommermonaten sei durch überraschende starke Niederschläge die Hochwassergefahr in der Höhle zu groß, wie der Verein Lurgrottengesellschaft - der die Führungen von der Peggauer Seite der Grotte durchführt - auf seiner Homepage erläutert. Das Abenteuer dauert je nach Gruppe und Kondition fünf bis sieben Stunden, führt vier Kilometer tief in die Höhle zu fantastischen Tropfsteinformationen, Strudeltöpfen, Kletterstrecken, Hallen und Höhlengängen.

Spezialanzug und Karbidlampe

Schon das Anlegen der Ausrüstung ist ein Erlebnis für sich: Ist die Gruppe gut drauf, hat man schon vorweg einen Höhlenspaß, wenn man sich in den an Knien und Ellbogen verstärkten Spezialanzug zwängt, die Karbidlampe umhängt und den Helm über den Kopf stülpt: Bald sind alle Expeditionsteilnehmer gleich (unförmig) - und bereit für die Unterwelt. Begleitet von zwei staatlich geprüften Höhlenführern werden die betonierten Wege verlassen. Man dringt in jene Bereiche vor, die ein Hochwasser zerstörte und umformte: Vorbei an fantastischen Sintervorhängen geht es durch die Canyons, klettert man gesichert durch Klüfte nach oben und seilt sich wieder nach unten ab.

Asseln und Spinnen, Farbe und Stille

Nach kurzer Zeit schon geht Raum- und Zeitgefühl verloren und es herrscht nur noch Staunen: Man sieht nur ein winziges Äon lang den Tropfsteinen beim Wachsen zu, entdeckt im Finsteren der Grotte durchscheinende Asseln und Spinnen. Wirkt die Grotte im Dunkel noch geheimnisvoll, so entfaltet sie im Licht der Helmleuchten ihren Zauber: Unglaublich farbig ist der Berg. Die beiden gut gelaunten Höhlenführer haben noch eine Überraschung parat. Beim Umkehrpunkt wird erst gejausnet, dann fordern sie alle auf, die Lampen zu löschen: Eine undurchdringliche schwarze Stille umfängt die Gruppe.

Letzter Höhepunkt der Expedition: der "narrische Hollerstrauch"

Beim Rückweg durch einen etliche Meter tiefer unter dem Anmarschweg gelegenen Canyon erkennt man, wohin die zuvor entdeckten "Strudeltöpfe" hinführen, die wirbelndes Wasser in Millionen Jahren formte. Bevor man wieder ans Tageslicht tritt, gilt es aber noch den glasklaren Zierhutsee zu durchqueren. Führt die Grotte wenig Wasser, schafft man es von Stein zu Stein mit gutem Schuhwerk beinahe trockenen Fußes. Für alle anderen Wasserpegel liegt ein Schlauchboot parat. Letzter Höhepunkt der Expedition: der "narrische Hollerstrauch", offenbar ein Meister der Anpassung. Von einem Hochwasser in den Orkus gerissen, hat er es sich in einer Felsnische im Eingangsbereich eingerichtet und kommt mit ein wenig (Kunst-) Licht aus. Dann ist die Expedition nach unglaublich kurzweiligen sechs Stunden endgültig zu Ende - man bedauert fast, nicht länger im fantastischen Winterdomizil hunderter Fledermäuse sein zu dürfen. (Von Peter Kolb/APA)