Wien - Dem im Zuge des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine in manchen EU-Ländern erwachten Interesse an Atomenergie kann Umwelt- und Landwirtschaftsminister Josef Pröll (VPÖ) nichts abgewinnen. "Die Atomkraft kann für uns nie eine Option sein und wir wehren uns in allen Formationen gegen diese offensichtlich angestrebte Renaissance", sagte Pröll.

Die Atomkraft scheine für eine Reihe von Regierungen in Europa "eine offenbar verführerische Perspektive" zu sein. "Ein oder zwei neue Kraftwerke und man schafft sich Luft in der Frage der Versorgungssicherheit", so Pröll, der wenig von "solchen Mega-Lösungen" hält.

Die Erdgaskrise habe das Problem einer zu starken Abhängigkeit von einer einzigen Option gezeigt. Er plädiere daher für einen "klugen Mix an Energieträgern", betonte Pröll, und brachte wieder das Thema Biomasse aufs Parkett, das er beim nächsten EU-Landwirtschaftsministerrat auf die Tagesordnung setzen wolle.

Pröll wehrte sich gleichzeitig gegen Vorwürfe der Grünen, den Kampf gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelin aufgegeben zu haben. Der Sicherheitsdialog mit Prag gehe weiter, solange es aber im Nachbarland "kein grundsätzliches Umdenken in Atomfragen gibt, kann auch niemand die Tschechen dazu zwingen, Temelin stillzulegen".

Ökostrom-Novelle

In diesem Zusammenhang verteidigte Pröll erneut die Ökostrom-Novellen gegen die Kritik des Grünen-Chefs Alexander Van der Bellen. "Von einer Demontage kann ja überhaupt keine Rede sein: Es wird wieder mehr Geld für den Ökostrom geben. Zusätzlich zu den bisherigen Förderungen wird es in den kommenden fünf Jahren 255 Mio. Euro geben. Das Ziel, bis 2010 einen Anteil von zehn Prozent Ökostrom zu haben, werden wir damit erreichen", sagte der Minister.

Handlungsbedarf gestand Pröll bei der Erreichung der Klimaschutzziele ein. Er sei aber überzeugt, "das Problem in den Griff zu bekommen". (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.01.2006)