Mithilfe neuer 3-D-Technologien wollen Forscher der kanadischen Universität von Alberta das Konferenzwesen und die heutige Telefonie insgesamt revolutionieren. Geht es nach ihnen, könnten sich Liebende bald am Telefon unterhalten, als säßen sie gemeinsam beim Essen, obwohl sie in Wirklichkeit in zwei verschiedenen Städten sind. Medizinstudenten könnten Operationstechniken in einem nur virtuell vorhandenen Operationssaal erlernen.

Der kanadische Informatikprofessor Pierre Boulanger ist der Vorreiter dieser Technik. Das Programm beruht auf 3-D-Technologie und erlaubt Menschen in virtuellen Begegnungen mit holografischen Bildern zu interagieren. Die Industrie unterstützt die Entwicklung der Collaborative Virtual Environments (gemeinschaftliche virtuelle Umgebungen) mit Fördermitteln in Höhe von 1,7 Millionen Dollar. "Wir nennen es Telepräsenz", erklärt Boulanger.

Die Technologie wurde an der Universität bereits im Fachbereich Medizin erprobt. "Durch den Mangel an geeigneten Leichen und der gleichzeitigen Notwendigkeit, immer mehr Studenten in die Grundlagen der Anatomie einzuführen, haben die Professoren nach Alternativen zur traditionellen Leichensektion gesucht", schreibt die Universität in einem Artikel.

Die Wissenschafter entwickelten ein Computerprogramm, das Teile des menschlichen Körpers wie etwa das Herz als Hologramme darstellt, die virtuell seziert werden können. Im Internet gibt es für Lernende von verschiedenen Institutionen bereits seit Längerem virtuelle Frosch-Sektionen in 2-D-Technik (siehe Webtipp).

Die Software der Universität of Alberta geht einen Schritt weiter und bringt bedeutende Verbesserungen. Damit die Bilder auf den Computerbildschirmen dreidimensionale Qualität erhalten, müssen die Studenten Spezialbrillen tragen. Die Bilder scheinen dadurch vor den Monitoren zu schweben. Die Studenten können die Darstellungen beliebig verändern und manipulieren. In Kürze wollen die Mediziner den gesamten menschlichen Körper als Hologramm darstellen.

Skalpellbewegungen

Die Technologie soll es Ärzten auch erlauben, über weite Entfernungen hinweg Hand-und Skalpellbewegungen über Computernetzwerke zu schicken, wo sie dann in anderen Operationssälen nachgeahmt werden können.

Die Forscher wollen das Programm auch außerhalb des Medizinbereichs kommerziell vertreiben. So könnten Menschen, die über tausende von Kilometern getrennt sind, durch Telepräsenz trotzdem gemeinsam Mittag essen, als säßen sie zusammen an einem Tisch. "Computer sind heute so smart, dass sie sich dem Menschen anpassen können", sagt Professor Christoph Sensen von der University of Calgary.

Zur Umsetzung derartiger Hologramme werden gekreuzte oder genau fokussierte Laserstrahlen eingesetzt, die in kleinen Bereichen die Atome der Luft anregen und damit zum Leuchten bringen. Diese Technik befindet sich aber noch im Experimentierstadium, weil die Stickstoff- und Sauerstoffatome in der Luft nur geringe Mengen von Licht freisetzen.

3-D-Display

Die kalifornische Firma IO2 Technology hat nach eigenen Angaben das weltweit erste interaktive 3-D-Display entwickelt. Das HelioDisplay wird bereits in geringen Stückzahlen produziert. Es erzeugt jedoch keine echten 3-D-Bilder, allerdings sind sie solchen sehr ähnlich. Das Unternehmen verwendet zur Bilderzeugung Laser.

Als Wiedergabequelle dienen Fernseher, PCs oder DVD-Geräte. Dabei wird die Vision eines frei im Raum stehenden Hologramms durch Reflexion an modifizierter Luft erzeugt. Das erzeugte Bild ist jedoch nur in einem Blickwinkel von 150 Grad zu sehen - und das ist nicht wirklich dreidimensional. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 1. 2006)