Belgrad - Vertreter der Roma-Familien, die seit mehr als sechs Jahren in drei Flüchtlingslagern im Nordteil von Mitrovica und in der naheliegenden Ortschaft Zvecani an der Müllhalde des Bleibergwerkes Trepca leben, haben heute, Montag, das Angebot der UNO-Mission im Kosovo (UNMIK), in einen früheren französischen KFOR-Stützpunkt unweit von Mitrovica umzuziehen, zurückgewiesen.

Die UNMIK hatte am vergangenen Freitag rund 500 Roma-Familien in den drei Flüchtlingslagern zum Umzug aufgefordert und auf den Befund der Weltgesundheitsorganisation hingewiesen, wonach der Bleigehalt im Blut von Kindern bereits ein kritisches Ausmaß erreicht habe.

Bleiverseuchtes Gebiet

Der Vertreter der Roma-Familien, Skender Gusani, erklärte gegenüber der serbisch-montenegrinischen Presseagentur Tanjug die Entscheidung, nicht umzuziehen, mit der Tatsache, dass sich auch der frühere KFOR-Stützpunkt nur 50 Meter von dem bleiverseuchten Gebiet befindet. Die Roma möchten in ihre einstige Siedlung Mahala, im Südteil der Stadt zurückkehren, präzisierte Gusani.

Roma-Familien wurden nach dem Ende des Kosovo-Krieges im Juni 1999 aus der Siedlung Mahala vertrieben. Die Siedlung wurde von lokalen Albanern in Brand gesteckt und bis dato wegen mangelnder Finanzmittel nicht wieder aufgebaut. 125 Roma-Familien leben seitdem in drei Flüchtlingslagern. Die UNMIK wurde von internationalen Organisationen wiederholt kritisiert, nicht eine geeignete Unterkunft für die vertriebenen Roma gefunden zu haben. Von der hohen Bleibelastung sind namentlich Kleinkinder betroffen.

Im Kosovo lebten bis Ende des Krieges rund 150.000 Roma. Ihre Zahl wird inzwischen von Roma-Organisationen auf nur etwa 30.000 geschätzt. Wie zahlreiche Serben fanden auch viele Roma nach dem Kriegsende Zuflucht in Serbien, wo sie in extrem schwierigen Verhältnissen leben. (APA)