Port-au-Prince - In Haiti wird dem Aufruf von Geschäftsleuten zum Generalstreik aus Protest gegen die Verbrechenswelle im Land offenbar Folge geleistet. Alle Tankstellen seien geschlossen, die Lage in der Hauptstadt Port-au-Prince sei derzeit ruhig. In den Straßen herrschte nach Angaben eines UNO-Sprechers gespannte Ruhe. Der Leichnam des unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommenen Oberbefehlshabers der UNO-Stabilisierungstruppe MINUSTAH, des brasilianischen Generals Urano Teixeira da Matta Bacellar, ist unterdessen am Montag im Anschluss an eine Totenmesse nach Brasilien geflogen worden.

Mit dem Generalstreik soll die MINUSTAH zu einem harten Durchgreifen gegen die bewaffneten Banden gezwungen werden, die die Bevölkerung mit Mord, Raub und Entführungen terrorisieren. Die Vereinten Nationen haben die Menschenrechtssituation in Haiti als katastrophal kritisiert. Es gebe standrechtliche Erschießungen, Folter und willkürlichen Verhaftungen. Nach Statistiken der haitianischen Polizei sind seit März 2005 rund 450 Unternehmer, Ärzte, Vertreter haitianischer und internationaler Hilfsorganisationen, Diplomaten und Kinder entführt worden. Die Zahl dürfte aber noch höher sein, da viele Fälle nicht gemeldet werden. Die von den USA unterstützte Übergangsregierung, die seit dem Sturz und der Zwangsexilierung von Präsident Jean-Bertrand Aristide vor zwei Jahren amtiert, setzt nach Darstellung ihrer Kritiker die Medien des Landes massiv unter Druck.

Nach fünffacher Verschiebung sollen die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in dem Karibikstaat nun am 7. Februar, die Präsidenten-Stichwahl am 19. März stattfinden. Oppositionspolitiker in Port-au-Prince erklärten am Montag, sie schenkten dem neuen Wahlkalender keinen Glauben. (APA/dpa)