Berlin/Istanbul/Peking - In China ist am Dienstag ein achter Vogelgrippe-Fall bei einem Menschen betätigt worden. Wie das Gesundheitsministerium in Peking mitteilte, sei bei einem sechsjährigen Buben aus der zentralchinesischen Provinz Hunan das gefährliche H5N1-Virus nachgewiesen worden. Der Zustand des Kindes sei stabil. Der Fall sei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet worden.

In der Türkei hatte sich die Zahl der Vogelgrippefälle bei Menschen nach Behördenangaben auf 15 (Stand Montag) erhöht. Die Tierseuche hat den europäischen Teil des Landes erreicht, bei Istanbul wurden infizierte Hühner gemeldet.

Bei den neu erkrankten Patienten handelt es sich um zwei Brüder im Alter von vier und fünf Jahren, einen Zwölfjährigen und einen weiteren Fünfjährigen aus dem Schwarzmeergebiet nordöstlich der Hauptstadt Ankara. Außerdem hat sich ein 18-Jähriger aus der osttürkischen Stadt Van infiziert, wo in der vergangenen Woche bereits drei Geschwister aus Dogubeyazit gestorben waren. Bei zwei von ihnen hatten Labortests den gefährlichen Vogelgrippeerreger H5N1 als Todesursache bestätigt.

Der WHO zufolge gibt es derzeit keine Anzeichen für eine Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch. "Glücklicherweise bleibt es bis jetzt ein Tiervirus, das sich leicht von Huhn zu Huhn überträgt", sagte der Leiter des WHO-Influenzaprogramms, Klaus Stöhr, am Montag im Rundfunk Berlin-Brandenburg. Allerdings lasse sich eine Infektion von Mensch zu Mensch nicht ausschließen.

In der EU gilt bereits ein Einfuhrverbot für Geflügel und Geflügelprodukte aus der Türkei und anderen betroffenen Ländern. Außerdem soll ab (dem heutigen) Dienstag das Importverbot für Geflügelprodukte aus den östlichen Nachbarländern der Türkei auch auf Federn ausgedehnt werden. Wer dagegen verstößt, muss mit Strafen von bis zu 25.000 Euro rechnen.

"Bei Reisenden aus der Türkei und importierten Waren muss ganz genau hingeschaut werden", sagte der deutsche Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Nach einer Ausweitung der Seuche in der Türkei waren am Montag verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland ergriffen worden. Die deutsche Regierung rief Urlauber zu Vorsicht auf. Sie sollten in den betroffenen Ländern keine Geflügelmärkte besuchen und Kontakte mit Tieren vermeiden, sagte eine Sprecherin des Agrarministeriums. Das größte Risiko gehe von illegalen Transporten von Geflügel und Geflügelprodukten aus. Der deutsche Landwirtschaftsminister Horst Seehofer kündigte an, er werde "bei der geringsten Gefahr" nicht zögern, eine erneute Stallpflicht für Geflügel anzuordnen. (APA/dpa)