Wien – Graue Mäntel in der U-Bahn, dezente Daunenjacken vor der Hofburg, langweilig lackierte Fahrzeuge auf dem Parkplatz – die Sicherheitsvorkehrungen im Rahmen der heimischen EU-Präsidentschaft setzen auf Unauffälligkeit. Doch hinter den Kulissen verbirgt sich das umfangreichste Schutzkonzept, das Polizei, Verfassungsschutz und Bundesheer je auf die Beine gestellt haben.

Bis zu 1000 Beamte sind an Veranstaltungstagen im Einsatz, allein das Innenministerium investiert in die Sicherheit der Gäste mehr als zehn Millionen Euro.

Hochrangige Staatsgäste werden auf dem Flughafen Schwechat im neuen VIP-Gebäude auf dem Gelände des General Aviation Center abseits des Hauptgebäudes empfangen, das durch ebenfalls neu gebaute Auf- und Abfahrten direkt mit der Ostautobahn (A4) verbunden ist.

Mehr als 200 gepanzerte Fahrzeuge, von der Limousine bis zum Minivan, stehen bereit. Auffällige Konvois sollen vermieden werden, händisch geschaltete "Grünphasen" für ein flottes Weiterkommen auf Ampelrouten sorgen.

Bei der Sicherung von Veranstaltungsorten setzt der Entschärfungsdienst erstmals Detektoren ein, die neben Sprengstoff auch 32 andere chemische Substanzen, wie Gifte, erkennen können. Das Bundesheer überwacht den Flugraum. Bei größeren EU-Tagungen in Wien, Salzburg und Innsbruck werden Flugverbotszonen eingerichtet, die auch mittels radargesteuerten Fliegerabwehrkanonen überwacht werden.

Das Planungsteam im Innenministerium besteht aus nur zehn Personen, die Gesamtverantwortung trägt der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Erik Buxbaum. (simo/DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2006)