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Foto: Reuters/HO
Exeter/Wien - Dass marine Schutzzonen wesentlich mehr bringen als bisher angenommen wurde, haben Wissenschaftler der University of Exeter nun in der Karibik entdeckt. Demnach sind in Regionen, in denen das Fischen generell verboten ist, auch die Korallen schneller nachgewachsen sind, berichtet das Wissenschaftsmagazin "Science". Die Studie mache darüber hinaus klar, wie schwierig Prognosen über Veränderungen von Ökosystemen sind, wenn sich auch nur ein Parameter ändert, so die Forscher. Umgekehrt zeige sich, dass ein Schutz der Biodiversität ein wirksamer Weg gegen destruktive Veränderungen der Lebensräume sei.

Die karibischen Korallenriffe haben seit den 80er Jahren unter einem weiträumigen Artenverlust gelitten. Eine bisher unerkannte Krankheit hat zu einem Massensterben von Diademseeigeln (Diadema antillarum) geführt. Diese Seeigel waren jedoch für die Korallen wichtig, da sie große Algen fraßen und damit Teile des Riffs für junge Korallenstöcke vorbereiteten. Auch der bunte Papageienfisch gehört zu jenen Lebewesen am Riff, der Algen in großen Mengen verzehrt. Papageienfische werden wiederum von Groupern gejagt und gefressen. Grouper stehen allerdings bei Fischern hoch im Kurs. Auf den Exuma Cays stehen sie allerdings unter Schutz. Nun befürchtete das Team um Peter Mumby, dass zu viele Grouper den Bestand von Papageifischen zu stark dezimieren könnten. Die Folge wäre dann ein dicker Algenteppich auf den Korallenriffen.

"Positive Effekte sind bereits nach zwei bis drei Jahren erkennbar"

Das Forscherteam hat die Riffe fünf Jahre nach einem generellen Fischereiverbot erneut besucht und war erstaunt über die gute Qualität der Korallen. Inzwischen hatten offensichtlich alle Arten davon profitiert, so dass die Region unter Schutz gestellt wurde. Einige der Papageifische waren so groß, dass sie als Nahrung für die Grouper nicht mehr in Frage gekommen sind. Zudem war die Menge an Algen bedeutend geringer als außerhalb der Schutzzonen.

"Das ist genau das, was wir auch als Lösung anstreben", erklärt die Meeresbiologin Antje Helms von Greenpeace Österreich. Mit Schutzzonen ließe sich global das Problem der Überfischung verhindern. "Positive Effekte sind bereits nach zwei bis drei Jahren erkennbar", so die Expertin. Greenpeace fordert, dass 40 Prozent aller Ozeane als Schutzzonen eingerichtet werden sollten. "Das betrifft nicht die indigene Bevölkerung, sondern lediglich die industrielle Fischerei", betont Helms. Nach jüngsten Erkenntnissen sind 90 Prozent der Raubfische bereits verschwunden. "Das Prinzip ist sehr einfach: Laichgründe und jene Regionen, in denen sich junge Fische aufhalten, müssen unantastbar werden", erklärt die Expertin. Denn nur dann sei die Arterhaltung möglich. "Ein ausgewachsenes Kabeljau-Weibchen produziert 100 Mal mehr Eier als ein junges", so die Biologin. Daher haben Forscher auch berichtet, dass Fische, die außerhalb der Schutzzonen gefangen werden, größer sind. Es müsse den Tieren die Möglichkeit gegeben werden, auszuwachsen, erklärt die Expertin abschließend. (pte)