Wie viele Menschen in der Türkei derzeit an der Vogelgrippe erkrankt sind, werden die Analysen des internationalen WHO-Referenzlabors in London in den nächsten Tagen ergeben. Laut unterschiedlichen Quellen sind Proben von bis zu 30 Verdachtsfällen zur Abklärung nach London geschickt worden. Die WHO bestätigte vorerst vier Erkrankungen – darunter auch die drei verstorbenen Geschwister.

Die Identifizierung des tierischen Influenzavirus dauert in Speziallabors ein bis zwei Tage: Untersucht werden die Proteine Hämaglutinin (H) und Neuraminidase (N) auf der Erregeroberfläche. Von H sind 15 Varianten bekannt, von N neun; das derzeitige Vogelgrippevirus ist ein H5N1.

Niedriges Risiko

Zum Vergleich: Die humanen Influenzaviren der vergangenen Grippesaison waren vom Typ H3N2 und H1N1, das vor zwei Jahren auch in Europa grassierende Vogelgrippevirus, an dem ein Tierarzt in den Niederlanden starb, war H7N7. Die Wahrscheinlichkeit, dass das derzeitige Vogelgrippevirus zu einer für Menschen tödlichen Pandemie führt, ist trotz seines Vordringens nach Europa aber gleich hoch beziehungsweise niedrig wie bisher: Genetische Mutationen, die den Erreger von Mensch zu Mensch übertragbar machen, wurden bisher nicht festgestellt.

Allein, aufgrund der niedrigen Temperaturen hält sich das Virus länger infektiös als bisher im wärmeren Asien. Die Erkrankung bleibt aber weiterhin ein veterinärmedizinisches und wirtschaftliches Problem, Infektionen von Menschen sind nur durch sehr engen Kontakt mit erkranktem Geflügel möglich. Die bisherigen globalen Zahlen: Millionen infizierte Vögel, 150 erkrankte Menschen – 74 starben. (fei, DER STANDARD Printausgabe, 10.01.2006)