Foto: Leena Manhart
Wien – Schmetterlinge des Bösen ziehen ihre Bahnen, Eiskunstläuferinnen im heißen Domina-Outfit vollführen Todesspiralen, dazu eine fackelschwingende Mischung aus Darth-Maul und Kasperl. So verstörend betörend war die heile Welt Eisrevue „Holiday on Ice“ noch nie. Lack und Leder, statt Pailletten und Pattex- Grinsen. Kein Wunder, heißt doch das neue Programm „Fantasy“ und taucht in Traumwelten ab. Ein kleiner Erotik-Alb muss da schon sein, in der sonst zuckersüß gehaltenen Show, die vom 11. bis 29. Jänner in der Stadthalle Wien gastiert.

Keine Haare mehr

Albtraumhaft ist aber nicht nur die Feuer-Episode, sondern auch die Logistik, die hinter dem Eislaufurlaub steckt. „Das ist der Grund, warum ich keine Haare mehr habe“, feixt Tourmanager Erik Gravendeel. Dutzende Helfer und Techniker sorgen dafür, dass die Illusion ebenso undurchschaubar wie transportabel bleibt. Viereinviertel Stunden brauchen sie vom letzten Vorhang bis zur letzten geschlossenen Containertür. Dann macht sich der Tross mit den Wohnwägen und Containern auf zum nächsten Spielort. Drei Jahre kann so eine Tour dauern.

Den Zuschauern werden solche Weltklasseleistungen natürlich nicht präsentiert. Dafür sind die Eisläufer, Akrobaten und Choreografen zuständig. Die Britin Fiona Zaldua und der Russe Dmitry Sukhanov zum Beispiel, die mit ihren ebenso waghalsigen wie eleganten Paarlaufeinlagen die eisläuferischen Ausrufezeichen setzen. Dennoch: Einfacher Eiskunstlauf locke keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor, meint Gravendeel.

Show-Geschäft

Totaltheater ist angesagt. Die Pausenansage, die das reichhaltige Merchandisingsortiment anpreist, reißt einen jäh aus der Verzauberung. „Holiday on Ice“ ist Show- Geschäft. Beide Teile des Wortes sind gleichwertig. Die Eisrevue ist Teil des niederländischen Show-Konzerns Stage Entertainment, der mit rund 450 Millionen Euro Umsatz und 4500 Beschäftigten der wahrscheinlich größte Live-Unterhalter Europas ist.

Unheilschwanger schwillt die Musik wieder an. Der Darth-Maul-Klon hat mit der Fackel das Eis berührt, auf dem gefrorenen Wasser breitet sich ein Feuerkreis aus. Exakt auf den letzten Schlag der Musik schließt sich der Kreis. Die Inszenierung ist perfekt. (ran, DER STANDARD Printausgabe, 10.01.2006)