Augsburg - Nach monatelangen Ermittlungen sind drei Rädelsführer einer Gruppierung von "Waffenfetischisten" mit rechtsradikalem Hintergrund vor dem Landgericht Augsburg angeklagt worden. Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft vom Montag haben sie "Unmengen" an Munition, Waffen und Kriegswaffen gehortet und teilweise damit gehandelt. Darunter waren auch Handgranaten und der Sprengstoff TNT. Einige Männer beteiligten sich auch daran, in Tschechien detailgetreu Schlachten des Zweiten Weltkriegs nachzuspielen.

Die drei Angeklagten sind 38 beziehungsweise 35 und 52 Jahre alt und stammen aus den Landkreisen Augsburg und Neuburg an der Donau. Ihnen werden unter anderem unerlaubter Besitz von Kriegswaffen sowie unterlaubter Handel mit vollautomatischen Schusswaffen sowie deren Besitz und das Überlassen solcher Waffen vorgeworfen. Insgesamt ermittelten die Behörden in dem Verfahren gegen 49 Tatverdächtige. Gegen 44 sei bei verschiedenen Gerichten Anklage wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz erhoben worden, hieß es.

Umfangreiche Waffenfunde

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter anderem von umfangreichen Waffenfunden in einem aufgelassenen Militärdepot nordwestlich von Augsburg. Dort hätten sich nicht nur "Dutzende harmlose Spinner und Waffennarren", sondern auch ausgewiesene Neonazis getroffen, hieß es. Zum Krieg-Spielen seien die Männer jedes Jahr nach Tschechien gefahren, wo sie in einer alten Burg in einem Dorf bei Brünn die Schlachten der berüchtigten "Leibstandarte Adolf Hitler" nachgestellt hätten.

Im April 2005 hatte die Polizei dem Treiben ein Ende bereitet, nachdem der Verfassungsschutz den Hinweis gegeben habe, in Kürze solle eine "Wehrsportgruppe Süd" gegründet werden. Die Gruppe galt als Nachfolgeorganisation eines "Europäischen Darstellungsvereins für Lebendige Geschichte". Die in Nordrhein-Westfalen gegründete und von den Behörden teils zerschlagene Organisation wollte Schlachten aus Kriegen so exakt wie möglich nachspielen. Dazu trugen die Mitglieder Uniformen der Waffen-SS und verwendeten Maschinenpistolen und Karabiner, die dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft betonte, von der von der Gruppe angelegten Waffensammlung sei ein "enormes Gefährdungspotenzial" ausgegangen. Die Waffen waren bei Durchsuchungen in Süddeutschland, Nordrhein-Westfalen und Wien im April vergangenen Jahres sichergestellt worden. Dabei waren auch Uniformen aus der NS-Zeit, Schriften und Datenträger der Gruppe beschlagnahmt worden. Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz sagte der "Süddeutschen Zeitung", es handle sich um den "größten Fund von illegalen Waffen in Bayern nach dem Krieg". Die "SZ" berichtete außerdem von Nazi-Flaggen. (APA/dpa)