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Ankara/Rom/Brüssel - Der tödliche Vogelgrippe-Erreger H5N1 könnte in der Türkei zu einer dauerhaften Gefahr und damit auch zu einem Risiko für die Nachbarländer werden. Das "äußerst krankheitserregende" Virus könne sich in den betroffenen Gebieten trotz Sicherheitsmaßnahmen massenhaft verbreiten, warnte Juan Lubroth von der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) am Mittwoch.

Der Gesundheitszustand von zwei der derzeit 13 gemeldeten Vogelgrippe-Patienten in der Türkei verschlechterte sich nach den Worten von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. In China wurden zwei neue Todesfälle durch den Erreger H5N1 bekannt. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) wollte mit seinen Länderkollegen über die Vogelgrippe-Gefahr beraten.

Der Spiegel Online berichtete indessen, dass Forscher in der Türkei auf eine mysteriöse Gruppe von Vogelgrippe-Fällen gestoßen seien: Fünf Menschen, die mit dem gefährlichen H5N1-Virus infiziert sind, zeigen demnach kaum Krankheitssymptome. Experten befürchten, dass die Gefahr einer weltweiten Seuche dadurch gestiegen ist.

"Keinen Grund zur Panik"

Jedes Geflügel, das mit dem Erreger infiziert sei, müsse umgehend gemeldet werden, forderte die FAO. So könnten die auf internationaler Ebene empfohlenen Maßnahmen ergriffen werden. Entscheidend sei eine enge Zusammenarbeit der Länder im Kampf gegen die Vogelgrippe. Die Nachbarländer der Türkei - Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Irak, Iran und Syrien - sollten in Alarmbereitschaft bleiben, die Lage überwachen und die Bevölkerung informieren.

Regierungschef Erdogan sagte in Siirt im Südosten des Landes, bei zwei der gemeldeten Vogelgrippe-Patienten in der Türkei seien Schwierigkeiten aufgetreten, wie die Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi meldete. Diese seien aber überwindbar. Tags zuvor hatte der Ministerpräsident verkündet, die Lage sei unter Kontrolle. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagierte die Türkei angemessen auf den Ausbruch der Krankheit. Das türkische Gesundheitsministerium habe von Anfang an alles unternommen, um die schwierige Lage in den Griff zu bekommen, sagte WHO-Regionalleiter Marc Danzon in Ankara. Es gebe "keinen Grund zur Panik", für Türkei-Urlauber bestehe keine Gefahr.

EU verlängert Vorschriften

Die EU-Kommission verlängerte am Mittwoch ihre Vorschriften für Überwachung und Test von Geflügel gegen Vogelgrippe bis Ende 2006 und wird weitere zwei Millionen Euro für die Ko-Finanzierung der vorgeschriebenen Tests zur Verfügung stellen. Bereits im September hat die Brüsseler Behörde rund 840.000 Euro für die Überwachungsmaßnahmen der Mitgliedstaaten bei locker gemacht. Die Maßnahmen galten jedoch nur bis Ende Jänner.

Aufkläungskampagne

Die WHO will angesichts der zahlreichen Vogelgrippe-Infektionen bei Kindern eine spezielle Aufklärungskampagne starten. Gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) solle Kindern und Jugendlichen vermittelt werden, dass sie sich von möglicherweise erkranktem Geflügel fern halten müssten, sagte der Leiter des WHO-Expertenteams in der Türkei, Guenael Rodier, am Dienstag. Dass sich offenbar mehr Kinder und Jugendliche mit dem Vogelgrippe-Virus ansteckten als Erwachsene, hänge vermutlich mit einem schwächeren Immunsystem und mit der Tatsache zusammen, dass Kinder beim Spielen eher in Kontakt mit Geflügel kämen.

Zwei weitere Todesfälle in China

Aus China wurden unterdessen erneut zwei Vogelgrippe-Todesfälle bei Menschen bekannt. Es handele sich um ein zehnjähriges Mädchen und einen 35 Jahre alten Mann, sagte WHO-Sprecher Roy Wadia. Die beiden starben bereits im Dezember. Damit hat die Vogelgrippe in China bisher fünf Menschen das Leben gekostet.

Das verstorbene Mädchen stammte aus der südlichen Provinz Guangxi und litt Medienberichten zufolge seit Ende November unter Lungenentzündung und hohem Fieber. Der Mann kam aus der Provinz Jiangxi im Osten des Landes, er erkrankte Anfang Dezember. China hat am Dienstag den achten Verdachtsfall von Vogelgrippe beim Menschen bestätigt. Ein sechs Jahre alter Bub infizierte sich demnach im Dezember mit dem H5N1-Virus, sein Zustand wurde als kritisch beschrieben.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Peking verendeten bei einem Ausbruch der Vogelgrippe in der südwestlichen Provinz Guizhou Anfang Jänner 16.000 Wachteln. Behörden hätten weitere 42.000 Vögel getötet, erklärte das Ministerium auf seiner Web-Site. Weltweit wurden von der WHO seit 2003 insgesamt 78 Todesfälle beim Menschen auf die Vogelgrippe zurückgeführt. (APA/AP/AFP/red)