Der Axel Springer Verlag will im Fall einer Ablehnung der geplanten Übernahme von ProSiebenSat.1 seine Expansion im Ausland stärker vorantreiben.

Der verstorbene Verlagsgründer Axel Springer habe sich seit den 1960er Jahren um ein Engagement im Fernseh-Geschäft bemüht, sagte Konzernchef Mathias Döpfner am Dienstag auf dem Neujahrsempfang des Verlags in Berlin. "Aber wenn uns trotzdem dieser Schritt verwehrt bleiben sollte, dann werden wir auch das sportlich nehmen - und unser Glück in digitalen Märkten und im Ausland suchen."

Kritik an KEK

Döpfner kritisierte zugleich in scharfen Worten die Medienaufsicht KEK, die in Kürze über die Übernahme entscheiden will. Die Kommission zur Ermittlung von Konzentration im Medienbericht (KEK) habe ein Kontrollgremium vorgeschlagen, gegen das "die DDR wie ein liberales Wirtschaftsparadies" wirke, sagte Döpfner.

Die KEK beharrt auf ihrem Vorschlag, einen Fernsehbeirat zu installieren, der die alleinige Programmverwaltung und -kontrolle für einen der zwei großen Sender der Münchner Senderkette - ProSieben oder Sat.1 - übernimmt. Die Medienwächter wollten am Dienstag über den geplanten Zusammenschluss beraten. Auftrag der KEK ist es, die Meinungsvielfalt zu sichern. Springer benötigt zudem die Zustimmung des Bundeskartellamts, das wie die KEK nach dem gegenwärtigen Stand die Übernahme ablehnen würde. Die Wettbewerbshüter haben dem Verlag bis Donnerstag Zeit gegeben, neue Vorschläge zu machen.

Die KEK hatte sich kürzlich verwundert darüber geäußert, dass dem Springer-Konzern unterbreitete Vorschläge trotz der vereinbarten Vertraulichkeit an die Öffentlichkeit gelangt waren. Döpfner warf dem Kartellamt (der KEK) vor, selbst weitestgehende Verkaufsvorschläge von Springer in nur wenigen Stunden nach Einreichung abgelehnt zu haben. Der Konzern habe sogar den Eindruck gehabt, dass die Fusion selbst dann nicht genehmigt worden wäre, wenn der gesamte Springer-Verlag verkauft würde, sagte Döpfner. (APA/Reuters)