Die Fläche des Ars Electronica Centers soll von 2500 auf 6600 Quadratmeter vergrößert werden. Das Projekt könnte noch an der Novelle zur Bauordnung scheitern.

Foto: AEC/rubra
Es sollten zwei Glanzlichter für die Europäische Kulturhauptstadt 2009 in Linz werden. Das neue Musiktheater und das erweiterte Ars Electronica Center (AEC). Doch der Glanz wird matter, denn beide Vorhaben stehen unter keinem guten Stern.


Linz - Das neue Musiktheater ist 2009 im besten Fall eine Baustelle, da die Jury die Entscheidung über das Siegerprojekt des Architektenwettbewerbs um drei Monate nach hinten verschoben hat. Diese Wartezeit nutzen indes die Freiheitlichen, und mittlerweile das BZÖ, um erneut gegen den Neubau mobil zu machen. Schon einmal, im November 2000, ist es ihnen gelungen, den Bau eines neuen Opernhauses mittels Volksbefragung und medialer Unterstützung der Kronen-Zeitung zu stoppen.

Eine derartige Kampagnisierung ist schon wieder angelaufen. Im vergangenen Dezember präsentierte die Krone eine Umfrage, wonach die Hälfte der Oberösterreicher gegen den angeblichen Favoriten des Architektenwettbewerbs, einen 140 Meter hohen Theaterturm, stimmten. Das BZÖ schreit "Stopp der Verschwendung und Großmannsucht im Kulturbereich". Die Freiheitlichen präsentierten Dienstag dieser Woche Ergebnisse "ihrer" Telefonumfrage: "In Summe sprechen sich nahezu 45 Prozent gegen den Neubau und höchstens für den Ausbau am alten Standort aus."

"Opfer" politischen Gezänks könnte jetzt auch der Anbau des Ars Electronica Centers werden. Hier liegen sich Stadt und Land in den Haaren. Noch im September herrschte Einigkeit über die rund 25,5 Millionen Euro teure Erweiterung, der Architektenwettbewerb ist schon im Laufen. Um "langfristig im internationaler Kontext bestehen" zu können, müsse das Haus "runderneuert werden", erklärte der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ).

"Einen Wettbewerb für ein Bauvorhaben, das nicht realisiert werden darf, fortzusetzen, macht kein Sinn", ließ zu Jahresbeginn auf einmal der Linzer Planungsstadtrat Klaus Luger (SPÖ) aufhorchen.

Eigentlich ärgert sich der Sozialdemokrat über die Novelle zur Bauordnung, die die schwarz-grüne Regierungskoalition im Land ausgearbeitet hat, und die heute, Donnerstag, im Unterausschuss des Landtages Thema ist. Laut neuem Gesetz gilt künftig ein generelles Bauverbot im so genannten 30-jährigen Hochwasserschutzbereich. Ein "fundamentalistischer Passus" wettert Luger. Demnach dürfte in Linz weder das Brucknerhaus noch das Lentos am Ufer der Donau stehen. Auch das AEC am anderen Flussufer könne nicht ausgebaut werden.

"Für die Stadt Linz wird es keine Sonderregel geben", kontert Wasserlandesrat Rudi Anschober (Grüne). Um wenigstens das Aushängeschild AEC für 2009 in entsprechender Größe präsentieren zu können (Erweiterung der Fläche von 2500 auf 6600 Quadratmeter), hat sich nun Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) eingeschaltet. Auch er will den Ausbau des AEC, er müsse nur "hochwassertauglich" sein, lautet sein Kompromissvorschlag. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.1.2006)