Warschau - Die polnische Minderheitsregierung der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) will den Mutterschaftsurlaub verlängern. Die PiS-PolitikerInnen hoffen, dass Frauen sich dadurch öfter entscheiden werden, Kinder zu gebären. Der Gesetzesentwurf sieht die allmähliche Verlängerung des Mutterschaftsurlaubs vor, der zur Zeit 16 Wochen dauert. Noch heuer soll der Urlaub um zwei Wochen verlängert werden.

Stufenweise Verlängerung

2007 würde er dann 22 Wochen dauern und 2008 26 Wochen. Ab 2011 bekomme eine Mutter beim zweiten Kind 38 Wochen Urlaub und beim dritten und jedem weiteren Kind sogar ein Jahr. Der PiS-Vorschlag ist ein wichtiges Element der familienfreundlichen Politik der Regierung, welche die Partei beim Wahlkampf im Herbst zu realisieren versprochen hat.

Umsetzung wahrscheinlich

Das Gesetz soll negative demographische Tendenz bremsen. Von Jahr zu Jahr werden in Polen weniger Kinder zur Welt gebracht. Noch 1990 verzeichnete man 552.000 Geburten. 2002 ist die Zahl bis auf 355.000 gefallen. Das Entwurf hat große Chancen, im Parlament verabschiedet zu werden. Ein Großteil der Opposition sprach sich gestern dafür aus.

"Die Samoobrona wird jede sozial hilfreiche Lösungen unterstützen", sagte deren Abgeordneter Rajmund Moricder der "Gazeta Wyborcza". Auch das Bündnis der Demokratischen Linke (SLD) glaubt, dass die Verlängerung des Mutterschaftsurlaubes eine gute Idee ist.

Väter einbinden

Izabela Jaruga-Nowacka von der SLD ist der Meinung, dass man parallel dazu auch den Urlaub verlängern solle, den der Vater für Kinderbetreuung nehmen kann. "Das würde die Chancen von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt ausgleichen", so Jaruga-Nowacka.

Am meisten Skepsis gegenüber dem Gesetz gibt es bei der rechts-liberalen Bürgerplattform (PO) und der national-katholische Liga Polnischer Familien (LPR). Die PO-Politiker fürchten, dass nach den Änderungen die Frauen noch größere Probleme mit der Arbeitssuche haben werden, weil Arbeitgeber sie einfach nicht beschäftigen wollen.

Für die LPR ist des PiS-Gesetzesentwurf dagegen zu wenig radikal. Die Partei wirft der PiS die Übernahme des Programmes der LPR vor und fordert rasche und bedeutende Verlängerung des Mutterschaftsurlaubes ohne jegliche Übergangsphasen. (APA)