Nach Russlands Gaskonflikt mit der Ukraine will Moskau offenbar an dem Vorhaben festhalten, auch den Gaspreis für andere europäische Länder auf einen Durchschnittswert von 250 Dollar pro 1000 Kubikmeter anzuheben. Gasprom-Sprecher Sergej Kuprjanov bestätigte dies gegenüber der Tageszeitung Kommersant, nannte jedoch wegen Betriebsgeheimnisses keine konkreten Preise für Abnehmerländer. Medienquellen zufolge zahlt Estland bisher 100-120 Dollar, Lettland 120-140 Dollar, Litauen 120-150 Dollar. Weißrussland etwa zahlt 47 Dollar, Polen 200-250 Dollar, Westeuropa im Allgemeinen von 200 Dollar aufwärts, Finnland angeblich weniger.

Widerstand

Russlands Absichten stoßen naturgemäß auf Widerstand. Am vehementesten wehrt sich Bulgarien, ein Gastransitland für die Türkei, Griechenland und Mazedonien. Gasprom hatte eine Neuregelung des auf Tauschgeschäft beruhenden Transits vorgeschlagen, Bulgarien beharrt auf einem 1998 für zwölf Jahre in Kraft getretenen Vertrag. Demzufolge kauft es den Großteil des Gases um 83, das für den Eigenbedarf um 258 Dollar.

Der Transitvertrag jedoch ermöglicht es, den Inlandspreis niedrig zu halten. Mit einer Umstellung auf marktwirtschaftliche Verrechnung sieht Bulgarien diesen Preis gefährdet. Auch Moldau gibt sich verblüfft, dass es künftig 160 Dollar statt bisher 80 Dollar zahlen soll. Zwar stimmt es einer Angleichung an Marktpreise grundsätzlich zu, wähnt die genannten 160 Dollar aber aus der Luft gegriffen.

Ungarn will alternative Quellen forcieren

Ungehalten ist des weiteren die Türkei, die seit dem Vorjahr ergebnislos über eine Verbilligung verhandelt und mittlerweile 273 Dollar zahlt. Ebenso sieht Rumänien nicht ein, dass es im Unterschied zu seinen Nachbarländern 270-285 Dollar zahlt, eine Verbilligung auf 250 Dollar konnte nicht durchgesetzt werden.

Ungarn, das zu 70 Prozent von russischem Gas abhängig ist, forderte Österreich, Slowenien, die Slowakei und Kroatien zur Forcierung alternativer Quellen auf – entweder über das Nabucco-Pipelineprojekt aus der Türkei nach Österreich oder Mehrimport aus Nordafrika.

Gänzlich in Schweigen hüllt sich indes der größte Importeur russischen Gases, Deutschland. Über die künftigen Lieferbedingungen für Gas über die im Bau befindliche Nordeuropäische Pipeline ist bisher nichts bekannt. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.1.2006)