Istanbul/Hamburg - Die Vogelgrippe lässt die türkische Tourismusindustrie zittern. Zwar ist im türkischen Urlauberzentrum Antalya an der Südküste des Landes bisher noch kein einziger Fall der Vogelgrippe festgestellt worden. Doch freuen können sich die Hoteliers nicht recht darüber, denn das Virus hat andere Teile der türkischen Sonnenküsten schon erreicht.

Am Dienstag fanden die Behörden in den westtürkischen Ägäis-Städten Izmir und Kusadasi am Dienstag verendete Hühner und Tauben; mehrere Menschen wurden wegen des Verdachts der Vogelgrippe zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Nun befürchtet die Fremdenverkehrsbranche negative Auswirkungen auf die diesjährige Sommersaison. "Selbst wenn es keine Stornierungen gibt, werden wir wohl Preisnachlässe gewähren müssen", sagt Tayfun Zeytinbas vom Verband der türkischen Hotelmanager.

Türkei-Interessenten in Russland und Großbritannien wurden von ihren Regierungen wegen der Vogelgrippe bereits aufgefordert, auf Reisen in das Land zwischen Bosporus und Ararat zu verzichten. Von einer "alarmierenden Situation" für den Tourismussektor spricht deshalb Osman Ayik, Chef eines Hotelverbandes in Antalya.

Urlaubslust-Killer

Die Türkei zog im vergangenen Jahr mehr als 20 Millionen Besucher an. Doch seit mehr als einer Woche macht sie in der ganzen Welt als das Land Schlagzeilen, in dem erstmals außerhalb von Südostasien und China Menschen an der Vogelgrippe starben. Jeden Tag breitet sich die Tierseuche weiter aus, und jeden Tag gibt es Meldungen über neue Verdachtsfälle bei Menschen. Ayik und andere Tourismusexperten verweisen darauf, dass derzeit viele Reisen für den Sommer gebucht werden - Fernsehbilder von toten Vögeln und kranken Menschen könnten vielen potenziellen Urlaubern die Lust an der Türkei nehmen. Sollte nun auch noch in Antalya die Vogelgrippe auftauchen, wäre das "eine große Gefahr" für die Branche, sagt Hotelmanager Zeytinbas. Der türkische Hotelverband berichtet bereits von negativen Entwicklungen bei den Buchungen.

Stornierungen hat es aber noch nicht gegeben. Deutsche Urlauber, die mit rund vier Millionen Touristen die bei weitem größte Besuchergruppe in der Türkei stellen, scheinen die Nachrichten aus der Türkei wenig zu beunruhigen. Nicht einmal ein Dutzend Anfragen von Türkei-Reisenden hat Öger Tours bisher registriert, wie Öger-Sprecherin Kathrin Rüter in Hamburg sagt. Auch beim größten europäischen Reiseveranstalter TUI melden sich kaum besorgte Urlauber. "Es ist im Moment bei den Kunden kein Thema", sagt Konzernsprecher Robin Zimmermann in Hannover. Ohnehin sei gerade absolute Nebensaison, so dass nur wenige deutsche Urlauber in die Türkei reisten.

Keine Stornos

Dem Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) ist kein einziger Fall einer wegen der Vogelgrippe stornierten Türkei-Reise bekannt. "Nicht einmal bei den Neubuchungen hat es einen Knick gegeben", sagt DRV-Geschäftsführer Tobias Jüngert in Berlin. Allerdings wisse er aus Erfahrung, dass sich die Folgen eines vergleichbaren Ereignisses oft erst später zeigten. Bislang zeigten die Verbraucher aber keinerlei Anzeichen von Panik - sie seien im Gegenteil durch Medien und Reiseveranstalter außerordentlich gut über die Vogelgrippe informiert. Dies sei vermutlich auch der Grund, warum es anders als bei Naturkatastrophen oder Anschlägen nur wenig besorgte Anrufe gebe.

Die Reiseanbieter wollen gleichwohl auf Nummer sicher gehen: Köche der unternehmenseigenen Hotelkette in der Türkei seien angewiesen worden, kein Geflügelfleisch mehr aufzutischen, erklärt Öger-Sprecherin Rüter. Vertragshotels sollen, so ein Appell, zumindest seltener Hühnchen auf den Speiseplan setzen. TUI hat in der Türkei schon lange sämtliche Tiermärkte von der Ausflugsliste gestrichen. Reiseleiter bringen ihre Kunden nur noch auf sichere Obst- und Gemüsemärkte. Wenn Urlauber Distanz zu Vögeln halten, beim Verzehr von Fleisch und Eiern vorsichtig sind und die grundlegenden Hygieneregeln beachten, dann ist das Risiko einer Infektion sehr gering.

Nähere Informationen zum Schutz gegen Vogelgrippe finden Reisende unter anderem bei Reisebüros, im Internet und über die Reiseleiter vor Ort, wie Öger-Sprecherin Rüter betont - es bedürfe nur weniger Vorsichtsmaßnahmen, um sich zu schützen, betont sie: "Wer die befolgt, ist sehr gut gewappnet." (APA/AFP)