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Sharon und Fischer bei Verhandlungen in Tel Aviv

Foto: APA/dpa
Hamburg - Der deutsche Ex-Außenminister Joschka Fischer hat eine kritische Bilanz der Amtszeit des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon gezogen. "Er war weder als Politiker noch gar als Militär ein Mann des Friedens", schrieb Fischer in einem Beitrag für die am Donnerstag erscheinende Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit".

Einerseits sei es Sharons bleibendes Verdienst, mit dem Rückzug aus dem Gaza-Streifen zum ersten Mal besetztes palästinensisches Gebiet ohne Gegenleistung aufgegeben zu haben. Hinter diese strategische Wende Israels werde kaum ein Weg zurückführen, egal, wie die bevorstehenden Wahlen in Israel und Palästina ausgehen würden. Andererseits sei Sharon jedoch "der politische Ziehvater der territorialen Expansion und damit der israelischen Siedlungsbewegung", schrieb Fischer.

Der ehemalige deutsche Außenminister und Vizekanzler, der an der Ausarbeitung des internationalen Friedensfahrplans ("Roadmap") für den Nahen Osten beteiligt war, schrieb, Sharon habe niemals ernsthaft an die Möglichkeit eines Friedens mit den Palästinensern geglaubt. Auch in der Frage des Status von Jerusalem sei er "völlig unbeweglich" gewesen. Die Perspektive für die geräumten Gebiete habe Israels Regierungschef nicht gekümmert.

Gazas Entwicklung sei in seinen Augen fortan eine Sache der Palästinenser gewesen. Es komme daher nun darauf an, die "entscheidenden Schwächen" von Sharons Politik auszubessern. Fischer warnte, dass ein palästinensischer De-facto-Staat, der aus von Israel militärisch aufgegebenen, miteinander kaum verbundenen und nicht lebensfähigen Territorien bestehe, nicht im Interesse Israels sein könne. (APA)