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Eine schwarze Fahne hängt am Tag nach dem Vierfachmord in Mauerbach am Schulgebäude der Schule, die drei der vier getöteten Kinder besucht hatten.

Foto: APA/Herbert Pfarrhofer
St. Pölten/Mauerbach - Als "de facto abgeschlossen" bezeichnete Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes NÖ, die Ermittlungen rund um den Vierfachmord in Mauerbach. Demnach gilt die drohende Übersiedlung der Familie als einziges Tatmotiv. "Die Untersuchungen sind mehr oder weniger erledigt, die Angehörigen werden auch nicht mehr vernommen", so Polzer auf Anfrage der APA.

"Ob eine Zwangsräumung als Tatmotiv für einen Vierfachmord dem Durchschnittsbürger verständlich erscheint, sei dahin gestellt", meinte der Kriminalist. Aus den Befragungen konnten keine anderen Erkenntnisse mehr gezogen werden, so Polzer.

Das Haus sollte in der kommenden Woche versteigert werden. Zur Frage, wie es für die überlebenden Opfer der unfassbaren Tragödie - abseits der psychischen Belastung - materiell weiter geht, erklärten die (ressortzuständigen) Landesrätinnen Christa Kranzl (S) und Petra Bohuslav (V) am Mittwoch, es werde in jedem Fall Unterstützung geben.

Triste Wohnsituation

Der Fachabteilung war die bevorstehende Versteigerung nicht bekannt, so Kranzl. Grund für die Suche nach einer Ersatzwohnung sei die triste Wohnsituation der Familie mit einem Pflegekind gewesen. Diese Wohnung - in einem Haus der Erzdiözese Wien - steht weiterhin für die 45-jährige, durch den Angriff ihres Mannes verletzte Ehefrau, die weiterhin im Krankenhaus Tulln betreut wurde, und auch für deren 21-jährige Tochter und 80-jährige Mutter zur Verfügung, berichtete Bohuslav-Sprecher Florian Aigner. Sollten Kosten entstehen, werde das Land eine Lösung suchen.

Die laut gewordene Kritik u.a. von Psychologen an der Jugendwohlfahrtsbehörde wies die zuständige Landesrätin entschieden zurück. Die Pflegeeltern seien sehr engagiert gewesen und hätten seit August 2004 drei Mal monatlich an Weiterbildungsgesprächen teilgenommen. Die - ebenfalls getötete - zehnjährige Melanie lebte seit mehr als sieben Jahren bei der Pflegefamilie. Laut Kranzl habe es lange Zeit keinen Kontakt zu den leiblichen Eltern in Wien gegeben, bis diese dann doch Besuche wünschten, was zu schwierigen Situationen geführt habe.

Trauerarbeit

In der Volksschule Mauerbach, die am Dienstag nach Bekanntwerden der Tragödie gesperrt worden war, wurde indessen Trauerarbeit geleistet. Vor dem Gebäude hängt eine schwarze Fahne, in den Räumen wurde der getöteten Mädchen mit Kerzen gedacht. "Wir trauern in den Klassengemeinschaften", so Direktorin Christa Walzel. Noch gestern Abend wurde unter Mitwirkung von Psychologinnen ein Elterninformationsabend abgehalten.

Der 50-Jährige hatte am Montag vier seiner fünf Töchter umgebracht und seine Frau krankenhausreif geprügelt. Die im Erdgeschoß des Hauses lebende 80-jährige Großmutter hatte von der Tat nichts mitbekommen. Auf der Sophienalpenstraße durchbrach der Frühpensionist zunächst eine Straßensperre. Der Wagen kam erst zum Stillstand, nachdem er den quer gestellten Einsatzwagen gerammt hatte. Er starb nach einem Herzstich, den er sich im Wagen sitzend selbst zugefügt hatte, an inneren Blutungen. Eine der Kugeln der Polizisten hatte ihn zudem im linken Oberarm getroffen. Laut Obduktion waren zwei Mädchen die Kehlen durchschnitten worden, zwei wurden erdrosselt. (APA)