Wien - Mit einer "Top Ten-Liste" erinnerte die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" am Donnerstag in New York an vergessene Katastrophen. Die meisten dieser humanitären Krisen wurden durch jahrzehntelang andauernde Konflikte ausgelöst. Bereits zum achten Mal wies die Organisation so darauf hin, dass die Katastrophen trotz ihrer großen Ausmaße in der medialen Berichterstattung kaum vorkommen. Kolumbien und die Demokratische Republik Kongo stehen schon zum siebenten Mal auf der Liste.

"Die extremen Entbehrungen und die Gewalt, denen Millionen von Kongolesen ausgesetzt sind, werden vom Rest der Welt kaum wahrgenommen", kritisierte die Hilfsorganisation in einer Aussendung. In Kolumbien sei Gewalt weiterhin die häufigste Todesursache im Kampf über die Kontrolle von Drogenhandel und Bodenschätzen. Allein in der ersten Jahreshälfte 2005 wurden dort laut "Ärzte ohne Grenzen" 62.000 Menschen vertrieben.

Keine Verbesserung im Sudan

Im Südsudan ist der 20 Jahre andauernde Bürgerkrieg im Jänner 2005 offiziell zu Ende gegangen - eine wirkliche Verbesserung der erbärmlichen Lebensbedingungen habe der Friedensvertrag aber nicht gebracht. Die meisten der sechs Millionen Menschen seien auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Beinahe in allen von "Ärzte ohne Grenzen" genannten Regionen haben bewaffnete Konflikte die Gesundheitsversorgung völlig zerstört. Einfach zu behandelnde Krankheiten wie Masern und Malaria führen vielerorts zu akuten Notlagen. Religiös und ethnisch bedingte Gewalt habe das Gesundheitssystem auch im Nordosten Indiens lahm gelegt: Die Anzahl der Todesopfer durch Tuberkulose und Aids steige weiter.

AIDS-Pandemie

Über die HIV-Pandemie werde in den Medien zwar regelmäßig berichtet, praktisch mangle es jedoch an Forschung und Entwicklung für Medikamente, die speziell in Entwicklungsländern einsetzbar sind. Um eine Infektion bei einem Kind zu diagnostizieren, brauche es laut der Hilfsorganisation sehr teure Technologie. Die Hälfte der erkrankten Babys erlebt laut der Hilfsorganisation den zweiten Geburtstag nicht.

Auf der Liste der vernachlässigten humanitären Katastrophen befinden sich weiters die Krisenherde Tschetschenien, Haiti, Nord-Uganda (80 Prozent der Bevölkerung leben dort in Lagern), Elfenbeinküste und Somalia, wo auf 100.000 Menschen nur noch vier Ärzte und 28 Krankenschwestern kommen. (APA)