Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/Gindl
Wien - Die Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. will sich mittelfristig von allen bankfernen Beteiligungen trennen. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe.

Zu den Verkaufsplänen wird im "Format" der seit Anfang Jänner amtierende BAWAG-Generaldirekt Ewald Nowotny zitiert: "Ich habe eine Vorstandsklausur für Mitte Februar angesetzt, wo das gesamte Beteiligungsportfolio durchleuchtet werden soll".

Er wolle der Klausur nicht vorgreifen, "aber fest steht, dass die BAWAG nur Beteiligungen halten wird, die zum Kerngeschäft gehören. Der Rest wird über kurz oder lang verkauft."

Prominente BAWAG-Beteiligungen sind der Schuhhändler Stiefelkönig, die Elektrokette Cosmos/Köck, der Fernsehsender ATV+ und die Klaviermanufaktur Bösendorfer.

Augen offen halten

Im Ausland wird die Bank auf Expansionskurs gehen. Nowotny in dem Magazinbericht: "Wir sind gut kapitalisiert und halten unsere Augen offen für Akquisitionsobjekte, etwa in Kroatien." Dort steht die im Besitz der Bank Austria Creditanstalt befindlich Splitska banka zum Verkauf. Nowotny: "Die Splitska banka ist eine sehr gut geführte Bank und unter Umständen auch Teil meiner Expansionsüberlegungen. Wir werden uns die Bank anschauen. Ob wir ein Angebot legen, hängt von Rentabilitätsüberlegungen ab."

Als erste Konsequenz aus der Refco-Kreditaffäre lässt Nowotny wie berichtet die Geschäftsordnung für Vorstand und Aufsichtsrat neu überarbeiten. Das Risikomanagement wird neu organisiert. Die Risikoagenden seien bisher auf mehrere Bereiche verteilt gewesen. Die werden künftig bei einem Chief Risk Officer konzentriert.

Nowotny: Aus Causa Mobtel/Serbien kein Risiko für Bank

Die BAWAG P.S.K. muss nach Worten ihres neuen Generaldirektors Ewald Nowotny als Hausbank nicht um ihr Geld bangen, da der langjährige Großkunde Martin Schlaff und seine Partner mit dem serbischen Staat um die Kontrolle bei der Mobilfunkfirma Mobtel kämpfen. "Im Fall Serbien gibt es für die BAWAG überhaupt kein Risiko", sagt Nowotny in einem Interview mit dem Magazin "Format".

Denn "wir haben ja keinen Kredit vergeben, sondern lediglich eine Garantie für den Fall des Zustandekommens des Geschäfts", so Nowotny. Derzeit sei ja noch ein internationales Schiedsverfahren zur Klärung der Mobtel-Eigentumsverhältnisse anhängig. Unterm Strich bestehe für die BAWAG kein Risiko.

Schlaff & Co sollen, wie auch im "Format" kolportiert wird, gemeinsam rund 400 Mio. Euro in die Mobtel investiert haben. Den Umfang der Garantie beim Mobtel-Deal oder gar das Gesamtobligo der Schlaff-Gruppe bei der BAWAG wollte Nowotny erwartungsgemäß nicht beziffern. Derartige Details über Kundenbeziehungen seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Verringerter Gewinn

Nowotny deutet auch an, wie es nach der vorjährigen Refco-Pleite beim aktuellen BAWAG-Ergebnis weiter geht: "Wir werden heuer einen deutlich verringerten Gewinn ausweisen als in den Jahren zuvor und alle Risiken aus der Refco-Problematik bilanziell in einem Jahr bewältigen", so der BAWAG-Chef. Man werde nichts verstecken.

Einen Verkaufsdruck des ÖGB für bankfremde BAWAG-Beteiligungen gebe es nicht. Der Vorstand will aber dennoch den Beteiligungsbereich durchforsten. Für Stiefelkönig, so bestätigt Nowotny, gebe es drei Interessenten aus Österreich und einen internationalen Private-Equity-Fonds.

Bei ATV+ stünden vom Börsegang bis zum Einstieg eines strategischen Investors alle Optionen offen. Es habe schon Gespräche mit "durchaus interessanten strategischen Investoren" gegeben. Die könnte man nun fortsetzen.

Zur künftigen Eigentümerstruktur der BAWAG selbst verweist auch der neue Bankchef auf den Eigentümer ÖGB. "Soweit ich weiß, ist der ÖGB bereit, wieder eine Minderheitsbeteiligung abzugeben. Es ist sinnvoll, verschiedene Verkaufsvarianten auszuarbeiten", so Notowny, "vom Börsegang bis zum Einstieg eines strategischen Partners". Es gebe zahlreiche Anfragen von Unternehmen aus dem Finanzbereich, die an einer kapitalmäßigen Verschränkung interessiert wären. (APA)