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Die beabsichtigte verbindliche Aufschlüsselung der individuellen Chef-Gagen scheiterte am Widerstand der Industrie.

Foto: Reuters/Rumpenhorst
Wien - Empfehlungen der EU-Kommission und das Gesellschaftsrechtsänderungsgesetz 2005 haben Änderungen im Österreichischen Corporate Governance Kodex notwendig gemacht. 36 der insgesamt 80 Regeln wurden geändert, der neue Kodex gilt seit 1. Jänner 2006.

Schwerpunkt bei der Kodex-Revision war die Schaffung von mehr Transparenz und die Stärkung der Unabhängigkeit des Aufsichtsrates.

  • Im Aufsichtsrat soll eine ausreichende Zahl unabhängiger Mitglieder vertreten sein. Als unabhängig gelten Personen, die keine geschäftlichen oder persönliche Beziehungen zu der Gesellschaft oder deren Vorstand haben. Der Kodex empfiehlt Gesellschaften mit mehr als 20 Prozent Streubesitz mindestens ein unabhängiges Mitglied im Aufsichtsrat - bei mehr als 50 Prozent mindestens zwei.

  • Drei Ausschüsse sollen für mehr Transparenz sorgen: Ein Prüfungsausschuss, der Bilanzen und Ergebnisse interner Revisionen prüft, ein Nominierungsausschuss - zuständig für die Nachfolgeplanung und ein Vergütungsausschuss, der regeln soll, nach welchen Kriterien Vergütungen vergeben werden.
Mit den neuen Regeln könne der österreichische Kapitalmarkt ein modernes Corporate Governance System vorweisen, welches sich an den europäischen und internationalen Standards orientiert, sagte der Regierungsbeauftragte für den Kapitalmarkt, Richard Schenz.

Der Punkt "Offenlegung der Vorstandsbezüge" wird "empfohlen", jedoch nicht gesetzlich verankert. "Die Weigerung der freiwilligen Offenlegung der Vorstandsgagen, wie sie international üblich ist, ist unverständlich", kritisiert Arbeiterkammer-Experte Heinz Leitsmüller, der den Kodex als "wenig mutig" bezeichnet.

Die österreichischen Manager haben die Neuerungen des Kodex begrüßt, wie eine Blitzumfrage des Beratungsunternehmens Braintrust ergeben hat. Auch das Aktienforum sieht in der Neufassung des Corporate Governance Kodex ein "praxistaugliches Instrument für gute und erfolgreiche Unternehmensführung". (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.1.2006)