Nairobi - Die derzeitige Hungersnot in Kenia fördert nach Informationen der Deutschen Welthungerhilfe die Prostitution Minderjähriger, die ihren Körper für Lebensmittel verkaufen. Dabei seien die Preise drastisch gefallen. "Eine Tageszeitung kostet mehr als Sex mit einem jungen Mädchen", sagte die DWHH-Mitarbeiterin Iris Krebber am Donnerstag in Nairobi.

Vor allem an der Fernstraße von Mombasa nach Nairobi breite sich die Prostitution aus. Die Jüngsten seien zehn bis zwölf Jahre alt, sagte Krebber. Unterdessen räumte die Regierung ein, dass sie derzeit keine kostenlose Kondome mehr zur Verfügung stellen könne, weil es logistische Probleme gebe.

"Zur Straße gehen"

"Weil die Mütter ihren Kindern nichts mehr zu essen kaufen können, sehen viele keinen anderen Ausweg mehr, als 'zur Straße zu gehen', wie hier Prostitution umschrieben wird", sagt Krebber. Der Hunger werde auf lange Sicht die Aids-Infektionsraten in die Höhe treiben.

Dürre und Umweltschäden

Unterdessen betonte der Direktor des in Nairobi ansässigen UN- Umweltprogramms, Klaus Töpfer, den engen Zusammenhang zwischen der aktuellen Dürre und den zunehmenden Umweltschäden. "Dürre ist in Ostafrika nichts ungewöhnliches", sagte Töpfer. Allerdings sei die Fähigkeit der Natur, genügend Feuchtigkeit zu produzieren, dramatisch zurückgegangen. "Daher ist es dringend nötig, dass wir Wälder und Feuchtgebiete nicht nur erhalten, sondern aktiv ausweiten."

Hungersnot

Die aktuelle Hungersnot in Kenia betrifft vor allem den Norden und Osten des Landes. Bisher gibt es etwa 40 Todesopfer. Zahlreiche Rinder, Ziegen und Esel sind schon verdurstet. Mindestens 10.000 Tiere seien in den Mount Kenya Nationalpark eingedrungen, wo die feuchten Wälder noch Futter bieten. Auch die Nachbarländer leiden unter der Dürre. In Tansania kommt es zu Stromausfällen, weil die Wasserkraftwerke nicht mehr genügend Strom produzieren. Die somalische Übergangsregierung appellierte an die internationale Gemeinschaft und warnte davor, dass "Tausende, wenn nicht Zehntausende" in den kommenden Monaten sterben könnten. (APA/dpa)