London/Zürich/Berlin - Der Atomstreit mit dem Iran ist am Freitag Gegenstand zahlreicher Pressekommentare:The Times

"Von weiteren nutzlosen Gesprächen redet nun keiner mehr - mit Ausnahme Chinas, das nach iranischen Ölexporten giert und zur Zurückhaltung auf allen Seiten sowie weiteren Verhandlungen aufgerufen hat. Selbst Russland, das dem Iran Forschungseinrichtungen in seinen eigenen Labors anbot, ist verärgert durch Teherans hochmütige Zurückweisung dieses Gesichtswahrers. Moskau sagt nun, es schließe nicht mehr aus, den Fall Iran dem UNO-Sicherheitsrat zu übergeben. So eine Entscheidung würde Druck auf den Iran erzeugen, besonders wenn der Westen deutliche Unterstützung anderer Länder bekäme, die tief beunruhigt sind über durch dieses Wiederaufleben des persischen Nationalismus in Gestalt schiitisch-islamischer Leidenschaft. Doch der Iran hat ganz klar kalkuliert, dass der Westen nur wenige Knüppel hat, mit denen er drohen könnte."

Neue Zürcher Zeitung

"Die EU-Troika liegt in der Bewertung der iranischen Atompolitik wieder auf einer Linie mit Washington, nachdem die Europäer in der Vergangenheit die von den Amerikanern gewünschte Einschaltung des Sicherheitsrates verzögert hatten. Während ihres kurzen Auftritts vor der Presse ließen es die drei Aussenminister (Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands) und (EU-Außenpolitik-Beauftragter Javier) Solana indes offen, ob sie als nächsten Schritt die Verhängung von Sanktionen gutheißen würden."

Der Tagesspiegel, Berlin

"Nur eins ist beruhigend an der aktuellen Entwicklung: Anders als in der Frage des Irak-Kriegs sind sich die Europäer einig. Und Europa wiederum ist sich einig mit den USA. Denn im Fall Irans ist nicht nur die potenzielle Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen unbestritten. Die jetzt tonangebenden Mullahs sind darüber hinaus erfolgreich bestrebt, wirklich niemanden darüber im Zweifel zu lassen, wen sie gern vernichten möchten: Zuerst Israel - und dann am Besten gleich auch noch die ganze westliche Lebensart. (...) Ist Europa, das auf Verhandlungen setzte, jetzt mit seinem Latein am Ende? Danach sieht es vielleicht auf den ersten Blick aus. Doch für Europa ist der sich jetzt abzeichnende Fortgang der Ereignisse keineswegs das Eingeständnis, mit friedlichen Mitteln gescheitert zu sein. Denn erstens könnte erhöhter internationaler Druck doch noch eine weitere Gesprächsrunde einleiten: Den Regeln eines Basars entsprechend, bekäme Teheran dann konkretere Vorstellungen davon, wie hoch der politische Preis für sein Atomprogramm ist."

Stuttgarter Zeitung

"Eines ist unbestritten: Sanktionen wären relativ leicht umzusetzen. Ein mit UN-Zustimmung verhängtes Ölembargo, das durch eine Seeblockade durchgesetzt werden müsste, würde das Land an seiner verwundbarsten Stelle berühren. Bis zu 90 Prozent der Exporterlöse stammen aus dem Ölverkauf, ein Stopp der Ausfuhren wäre für den Iran eine Katastrophe. Doch die Situation ist paradox, denn der ungehinderte Fluss des Öls ist auch der größte Trumpf in der Hand der Mullahs. Die Hardliner in Teheran konnten sich bisher immer auf den Egoismus der Industrienationen verlassen. Angesichts steigender Energiepreise wären beträchtliche negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur zu erwarten, sollte der Nachschub des weltweit viertgrößten Ölanbieters ausfallen. Zudem ist es mehr als fraglich, ob die UN-Vetomacht China bei solchen schwer wiegenden Sanktionen mitziehen würde."

taz, Berlin "Die USA, die von Anbeginn einen harten Kurs gegen den Iran gefordert hatten, sind ihrem Ziel um einen großen Schritt näher gekommen. Für die EU, die um eine diplomatische Lösung bemüht war, ist der Kurswechsel hingegen eine folgenschwere Schlappe. Mit ihrem Beschluss bestätigt sie, dass sie zu einem eigenständigen Weg nicht fähig ist, dass für sie kein Weg an Washington vorbeiführt. Im Grunde war diese Niederlage bereits vorgezeichnet, nachdem die EU vom Iran gefordert hatte, dauerhaft und endgültig auf sein Recht zur Herstellung des atomaren Brennstoffs zu verzichten - auf ein Recht, das jedem Unterzeichner des Atomsperrvertrags zusteht. Die EU-Verhandlungspartner hätten wissen müssen, dass das Insistieren auf dieses Recht für den Iran zu einer nationalen Prestigefrage geworden war, und sie hätten wissen müssen, dass sie den Iran nur zu einem Kompromiss hätten bewegen können, wenn sie das Sicherheitsbedürfnis des Landes berücksichtigt und ihm entsprechende Garantien angeboten hätten. Nun bleibt ihnen nichts anders übrig, als Washington Gefolgschaft zu leisten." (APA/dpa)