Foto: Apple
Zu Hause bewältigt der moderne Mensch die Phasen der Langeweile, der Unterhaltungslust oder des Informationsdurstes mit Patschenkino, Internet, Stereoanlage und Spielkonsole. Im Auto, in dem viele von uns viele Stunde des Tages verbringen, gibt es Radio, CD-Player, Navigationssysteme etc., die besonders längere Fahrten abwechslungsreicher und einfacher machen. Und es wird im "fahrenden Wohnzimmer" noch unterhaltsamer werden, wie auf der North American International Auto Show in Detroit sichtbar wird.

Trend

"Der Trend nach mehr Unterhaltung im Auto nimmt eindeutig zu", lautet das Resümee von Larry Wu vom US-Beratungsunternehmen J. D. Power and Associates in der New York Times. Die Autofahrer seien vermehrt daran interessiert, auch im Auto in Sachen Unterhaltungselektronik auf dem letzten Stand zu sein. Ein Interesse, dem die Autoindustrie - natürlich gegen Aufpreis - entgegenkommt.

Autorennen im Auto

Nissan konzentriert sich dabei unter anderem auf verspielte Jungmänner. Für sie heißt es auf Wunsch in Zukunft im Nissan Urge Sportwagen: "Machen Sie es sich auf dem Fahrersitz bequem, stellen Sie Ihren Rückspiegel ein, und fahren Sie die Xbox mit Gefühl hoch." Der japanische Hersteller hofft, mit einer eingebauten Microsoft-Spielkonsole mehr Freaks der Spielegeneration hinter die Nissan-Lenkräder zu bringen. Lenkrad und Fußpedale fungieren bei den beliebten Xbox-Autorennen als Gamecontroller (mit diesen werden die Spielaktivitäten gesteuert). Im Rückspiegel steckt ein kleiner, versenkbarer Monitor, die Konsole ist im "spacigen" Armaturenbrett untergebracht. Der Spielspaß ist natürlich nur in der sicher geparkten Karre erlaubt.

Foto: Nissan Urge

Der Urge mag ein etwas extremes Beispiel für den Trend sein, mehr Unterhaltungselektronik in ein Auto einzubauen - um sich im Gedränge des Marktes vom Mitbewerb besonders für jene Leute zu unterscheiden, für die der Gebrauch von Handys, MP3-Playern und anderem mehr unerlässlich sind.

Fahrendes Wohnzimmer

GMC, die auf Lkws und Vans spezialisierte Abteilung von General Motors (GM), verwendet für ihren GMC Explorer bereits den Slogan des "fahrendes Wohnzimmers". Das leicht erhöhte Dach des Vans bietet Platz für einen High-Definition-(HD)-Flach- bildschirm, auf dem DVD-Movies oder Satellitenfernsehen gespielt werden können. Zielgruppe für diese Ausstattung sind betuchte Eltern, die für das Auto rund 52.000 Dollar hinblättern.

Ein anderes Angebot von GM ist der 2006 Buick Terraza - ein Minivan mit integrierter Festplatte, auf der sich Musik, Filme und Spiele speichern lassen. Das 600 Dollar teure "Phat Noise"-System ermöglicht es den Passagieren, alle drei Medien gleichzeitig zu nutzen. Bestückt mit drahtlosen Kopfhörern können so die nörgelnden Kindern auf den Rücksitzen mit Videos abgelenkt werden, während die Eltern vorn ihrer Musik oder den Nachrichten lauschen.

iPod

Und nicht nur Navigationssysteme entwickeln sich immer mehr zur integrierten Selbstverständlichkeit in Autos, auch Apples Musicplayer iPod macht sich im Wageninneren verstärkt breit. Den Ankündigungen der Autohersteller zufolge sollen heuer rund 40 Prozent der in den USA verkauften Neuwagen eine iPod-Option haben. DaimlerChrysler etwa kündigte an, dass damit für sämtliche Modelle der Marken Chrysler, Jeep und Dodge die Möglichkeit geboten wird, den iPod am Lenkrad oder am Radio direkt steuern können.

Auf einer speziellen iPod-Autoseite zeigt Apple, dass bereits zwölf internationale Hersteller den iPod als Zubehör anbieten. (kat, DER STANDARD Printausgabe, 13. Jänner 2006)