Die kohlschwarzen Tiere machen sich prächtig im winterlichen Nachmittagslicht als Kontrast auf einer großen verschneiten Fläche. Der Großteil der derzeit 38 Angusrinder drängt sich – wegen des Ausblicks? - auf einem Strohhaufen vor einem Stallgebäude, in das sie sich zurückziehen, wenn’s ihnen zu kalt wird. Auf dem Hof machen sie, wozu sie eingestellt wurden: Sie produzieren Dung, der benötigt wird, um für den Großbetrieb einen geschlossenen Düngerkreislauf einrichten zu können – genauso wie es die Demeter-Richtlinien verlangen.

„Der Bio-Gedanke war immer da“, erzählt Michlits. „Und ich wollte zeigen, dass biodynamisches Arbeiten auch in großem Rahmen möglich war.“ Also meldete er sich als Umstellungsbetrieb an, um nach drei Jahren vom Demeter-Verband, übrigens der einzigen internationalen agierenden Bio-Marke, als „vollwertiges“ Mitglied aufgenommen zu werden und sich fortan den strengen Kontrollen der Vereinigung zu unterziehen. Demeter steht für kontrolliert biodynamischen Landbau basierend auf den Ideen des Antroposophen Rudolf Steiner (vgl. Wissen). Zwar gibt es für Österreich, Deutschland und die Schweiz jeweils Landesverbände, Michlits’ Ansprechpartner ist allerdings Demeter International in Singapur, weil es in Ungarn keinen eigenen Landesverband gibt. „Die Bio-Idee ist in Ungarn noch nicht sehr wichtig“, erzählt Michlits, obwohl seine ungarischen Angestellten schon sehr begeistert reagierten, „weil sie nicht mit Chemikalien arbeiten mussten. Und darauf achten sie sehr wohl“ Im Betrieb sind insgesamt neun Menschen ganzjährig beschäftigt, dazu kämen Saisonarbeiter für Weingarten und Lese.

„Bis zum EU-Beitritt der Nachbarn war’s mühsam“, erzählt Werner Michlits, „aber seither ist die Grenze kein Hindernis mehr.“ Werner Michlits ist 26 und hat mit dem Weinjahrgang 2001 den Betrieb seiner Eltern übernommen. Dazu gehören Obst- und Getreidebau und der Weinbau, der mit etwas mehr als 50 Hektar mehr als zehn Mal so groß wie ein österreichischer Durchschnittsbetrieb ist. In Österreich sind die gesamten Weinbauflächen und drei Hektar Apfelgärten, in denen Demeter-Apfelsaft gemacht wird. Der Rest, weitere 30 Hektar Apfelplantagen „auf zusammenhängenden Flächen“, so Michlits, sowie Getreideflächen und seit kurzem auch die Rinderherde befinden sich in Ungarn „quasi vor der Haustür neben Pamhagen“. Womit er eigentlich nur das weiterführt, was im Seewinkel ohnehin schon immer Sache war. „Der Boden ist sehr moorig mit hohem Schwarzerdeanteil, was für Gemüse super ist“, erklärt Michlits. Dazwischen gibt es die steinigen Inseln, die „für Wein besonders geeignet sind“. Die Produktvielfalt ergebe sich also logisch aus den Bodenbedingungen.

Behördenwege und „Papierkrieg“ für die Demeter-Anmeldung seien absolut überschaubar gewesen, die im biologischen Landbau üblichen – unangekündigten – Kontrollen wie Blattanalysen, Warenfluss, Staubproben etc. für alle Betriebsteile zusammengenommen „schon sehr umfangreich“. In Ungarn, wo die Kontrollen von der österreichischen „Austria Biogarantie“ durchgeführt werden, hätte er kürzlich „ die Nummer H 00001 gehabt“, berichtet Michlits, der wie auch seine Frau Angela in Geisenheim in Deutschland Weinbau studierte. Da die Produkte des Betriebs auch in die USA exportiert, wurde dieser zusätzlich nach dem „National Organic Program“ NOP zertifiziert, was notwendig ist um unter „organic“ verkaufen zu können. „Exportiert werden Gentechnik-freies Getreide und Wein.“ Ungarisches Bioobst und –getreide wird nach Österreich nach den AMA-Richtlinien importiert, „bei denen es vor allem um Kontingente geht“, so Michlits, unabhängig von Biodynamik.

Kuhdung und Trester aus der Weinproduktion werden kompostiert, aufbereitet und danach mit allen anderen biodynamischen Behandlungen wieder in den Weingärten und auf den Feldern ausgebracht. Was denn dereinst mit den Tieren passieren werde, die derzeit etwa ein dreiviertel Jahr alt sind, „darüber hab ich nur am Rande nachgedacht“, erzählt Werner Michlits. „Sie sind einfach so lieb.“