Melbourne - Roger Federer ist auch im Jahr 2006 und unmittelbar vor Beginn der Australian Open am Montag das Maß aller Dinge. Und der 24-jährige Schweizer, der schon seit fast zwei Jahren die Nummer 1 der Welt ist, strotzt auch vor Selbstvertrauen. Sein Niveau müsse er nicht wesentlich steigern, um die Position halten zu können: "Ich bin gut genug, um dieses Level halten zu können. Ich muss einfach nur mit Freude auf den Platz gehen und siegeshungrig bleiben."

Safin, Nadal, Agassi fehlen

Einige sehr namhafte Absagen machen es Federer zumindest nicht schwerer, auf seinen zweiten Australian-Open-Titel nach 2004 loszugehen: Titelverteidiger Marat Safin hat wegen einer langwierigen Knieverletzung seinen Melbourne-Auftritt ebenso gestrichen wie zuvor u.a. French-Open-Sieger Rafael Nadal (mangelnde Fitness nach Fußverletzung) und Andre Agassi (Knöchelblessur).

Federer mit Turniersieg nach Melbourne

Doch Federer kommt auch bereits mit einem Turniersieg, seinem insgesamt 34., nach Melbourne. In Doha hatte er ohne Satzverlust den Titel geholt, eine Niederlage beim Einladungsturnier am Schauplatz des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres gegen Tommy Haas tat der Schweizer hingegen als "unbedeutend" ab. In Melbourne-Runde eins wird ihm das gegen den unbekannten Usbeken Denis Istomin wohl auch eher nicht noch einmal passieren.

Nicht nur deswegen ist der Eigenosse optimistisch, den im Vorjahr nicht geholten Titel diesmal zu gewinnen. "Der Rhythmus ist da und ich bin glücklich damit, wie ich den Ball treffe. Mein Beginn des Jahres war wieder einmal ein sehr guter."

Insgesamt 103 Wochen ist Federer nun ununterbrochen Nummer eins der Welt und hat damit auch schon Pete Sampras überholt, der allerdings insgesamt 286 Wochen auf dem Tennisthron verbracht hat. Seit Beginn 2004 hat der Schweizer in 33 Turnieren 23 Titel geholt.

Die Herausforderer

Die größten Herausforderer des Schweizers sind Andy Roddick (2), Lleyton Hewitt (3) und David Nalbandian (4), der dem damals allerdings nicht 100-prozentig fitten Eidgenossen im Masters-Cup-Finale in Shanghai eine schmerzliche Niederlage zugefügt hat. Genau dieser Nalbandian ist besonders heiß, dem Argentinier fehlt immer noch sein erster Grand-Slam-Titel.

Der Triumph in China hat den "Gaucho" angespornt: "Das war ein großer Schritt. Natürlich hat mir Shanghai viel Selbstvertrauen gegeben, den ersten Grand-Slam-Titel anzugreifen." Allerdings hatte auch Nalbandian, dessen bisher bestes Major-Resultat nach wie vor das Wimbledon-Finale 2002 ist, wegen einer Virusinfektion sicherheitshalber auf ein Antreten beim Schauturnier in Melbourne abgesagt. Von ihm ist auf jeden Fall sein bisher bestes Melbourne-Ergebnis (bisher Viertelfinale) zu erwarten.

Für den zweifachen Major-Sieger Hewitt, der immer noch vom Heim-Titel in "down under" träumt, ist Federer wohl nach wie vor eine Nummer zu groß: "Ich glaube, Roger ist heuer einer der größten Favoriten, die es je gegeben hat. Ich denke, er könnte richtiggehend durch das Feld jagen."

Der Blick auf das Head-to-Head ("nur" 11:7 für den Schweizer) täuscht, denn die vergangenen 9 Partien hat Federer gewonnen. Und die 10:1-Bilanz Federers gegen Roddick spricht ohnehin Bände. Gegen Nalbandian weist der Weltranglisten-Erste übrigens eine negative Bilanz (4:6) auf.

Schwere Aufgabe für Titelverteidigerin Serena Williams

Bei den Damen wird es Titelverteidigerin Serena Williams (13) schwer haben: Nicht nur auf Grund ihrer offensichtlichen Gewichtszunahme, die der US-Amerikanerin, die auf Platz 13 im Ranking zurückgefallen ist, attestiert wird. Seit dem Drittrunden-Aus in Wimbledon hat Serena nur sieben Matches gespielt. In Runde eins trifft sie auf die Chinesin Li Na, die topgesetzte Lindsay Davenport bekommt es mit ihrer US-Landsfrau Casey Dellacqua zu tun.

Vielleicht schafft die Weltranglisten-Erste, die im Vorjahr erst im Endspiel an Serena gescheitert war, mit 29 Jahren doch noch ihren heiß ersehnten 4. Grand-Slam-Titel, den ersten seit 6 Jahren. Bei zwei Final-Teilnahmen 2005 (Australien und Wimbledon) stand sie knapp davor.

Mit Spannung verfolgt die Tennis-Welt in Melbourne das Grand-Slam-Comeback von Martina Hingis, von der man aber den großen Schlag wohl (noch) nicht erwarten darf. Schon in Runde eins bekam die natürlich ungesetzte Schweizerin eine Gesetzte zugelost, nämlich die Russin Wera Zwonarewa (30).

Auch Maria Scharapowa, die zuletzt über eine Schulterverletzung klagte, wird wegen fehlender Matchpraxis nur schwer über das Vorjahres-Halbfinale hinauskommen. Damals hatte sie drei Matchbälle gegen die spätere Siegerin Serena Williams ausgelassen. Die Russin beginnt gegen die Deutsche Sandra Klösel.

Die als Nummer 2 gesetzte Kim Clijsters könnte Davenport mit zwei guten Wochen in Melbourne vom Thron stoßen, allerdings klagte die Belgierin zuletzt in Sydney über eine Hüftverletzung. Im Viertelfinale könnte es übrigens zu einer Neuauflage des US-Open-Endspiels zwischen Clijsters und Mary Pierce (5) kommen. Die Französin muss ich auf dem Weg dorthin in Runde drei vielleicht mit Hingis auseinander setzen. (APA/Reuters)