"Ist schon unglaublich", sagt Peter Pilz mehr zu sich, "im November bin ich 20 Jahre Abgeordneter". Als letzter jener Grünen-Veteranen aus dem Jahr 1986.

Dabei kommt Pilz aus der tiefroten Ecke. Die ersten 18 Jahre seines Lebens verbrachte er in Kapfenberg, einer roten Hochburg in der Steiermark. Der Vater war Betriebsratsobmann bei Böhler, die Mutter Gewerkschafterin bei der Post, beide SPÖ-Mitglieder.

Von der "Rotfront"...

In Wien studierte Pilz Betriebswirtschaft und engagierte sich beim VSStÖ, dem Verband sozialistischer Studenten. Nach Meinungsverschiedenheiten kam es zum Ausschluss von Pilz. Der wandte sich der GRM zu - der Gruppe Revolutionärer Marxisten. Und machte Zeitung. Pilz setzte die Umbenennung von "Rotfront" in "Die Linke" durch. "Wir wollten eben die Massen erreichen", erklärt er, "da war Rotfront nicht der optimale Titel für eine Zeitung". Chefredakteur war damals Raimund Löw, heute ORF-Korrespondent. Pilz sagt, er sei für die durchgehende Linienabweichung zuständig gewesen: "Nicht alles war sehr trotzkistisch".

Nach dem Studium engagierte sich Pilz gegen Atomkraft und Abfangjäger und versuchte bei Wissenschaftsminister Heinz Fischer ein Forschungsprojekt zur Rüstungskonversion an Land zu ziehen. Und brauchte dafür einen Professor, der seinen Namen für die Studie hergab. Pilz hörte von einem, der für alles offen sei. Van der Bellen war sein Name, Pilz hat später bei ihm dissertiert.

1986 war Pilz bei der Gründung der "Bürgerinitiative Parlament" dabei, im gleichen Jahr wurde er Abgeordneter. "Die ersten Jahre waren echt hart", erzählt er, "ich habe versucht, mich als Abgeordneter zu profilieren und dabei flogen mir ständig die Fetzen der Partei um die Ohren." Nach dem Krach mit der Alternativen Liste kam es auch zum Bruch mit der VGÖ. Außerdem saß Pilz jahrelang mit Herbert Fux in einem Zimmer, was man sich auch als ziemlich schwierig vorstellen kann.

Pilz wurde Bundessprecher der Grünen (1992 bis 1994), übersiedelte ins Wiener Rathaus, war Klubobmann im Landtag - und erlitt dort seine bitterste Niederlage. Nach dem bescheidenen Ergebnis 1996, als die Liberalen den Sprung in den Landtag schafften, wurde Pilz von den eigenen Parteifreunden abgesägt. Pilz: "Das war mein persönlicher Tiefpunkt." Seine Demontage hatte Christoph Chorherr betrieben, der ihm auch als Klubobmann nachfolgte. "Freunde werden wir keine mehr", sagt Pilz heute, "aber wir arbeiten zusammen."

Es folgte ein Vorzugsstimmenwahlkampf, Pilz kam 1999 wieder ins Parlament. Heuer wird er erstmals auf einem sicheren Listenplatz kandidieren. "Es scheint, als hätten die Grünen nach zwanzig Jahren ihre Sympathie für mich entdeckt."

...in die Regierung

Derzeit bereitet Pilz die "politische Wende" vor. "Wir müssen den nächsten Schritt tun", sagt er, und das ist die Regierungsbeteiligung. Die Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP seien keine Scheinverhandlungen gewesen, "das war ernst gemeint". Es gebe aber keine politische Präferenz zu einer der beiden Großparteien, behauptet der ehemalige Trotzkist. Die Zeiten der Grünen als Lagerpartei seien vorbei. Seine Begründung: "Warum sollte mir eine Koalition mit Cap lieber sein als mit Molterer?"

"Ich brauch keine Prominenz, keinen Titel, keinen Dienstwagen", sagt Pilz zu seiner Zukunft. Aber: "Wenn ich ein persönliches Ziel für die Zukunft habe, ist es, Verteidigungsminister zu werden." Das meint er ernst. "Ich mag den Platter, aber ich glaub, das könnt ich schon besser."

Das nächste Highlight in der Pilz'schen Karriere steht im Februar an: Da tritt er mit seiner Band "Prinz Pezi und die Staatssekretäre" in Innsbruck auf. "Ich werde auch ,Baby, Baby, balla, balla' singen", verspricht er. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2006)