Foto: Süddeutsche Junge Bibliothek
Ein fröhliches Abenteuer sieht anders aus. Doch fröhliche Geschichten kümmert Wolfgang und Heike Hohlbein auch nicht. Sie schicken ihre Helden gern in düstere Landschaften, so auch im Roman Drachenfeuer. "Der Boden der Stadt ist schwarz und schimmert, er ist mit einer Art geborstener Glasur überzogen. Die fünfzig Meter hohe Stadtmauer ist zerstört, Häuser stehen schief und wirken glasig schimmernd. Ein Feuersturm muss über die Stadt gefegt sein, der so heiß war, dass selbst Steine schmolzen."

Solche Spuren hinterlässt ein mächtiger Drache, der, einmal erwacht, alles Leben mit seinem feurigen Atem auslöschen kann. Das ist der Stoff für Heldengeschichten, und immer muss ein unbedarfter Mann ran, um die Welt zu retten. Es ist das Motiv des Schwachen, der seine Kraft entdeckt. Weil alle an ihn glauben. Natürlich hat auch Chris mächtige Helfer: Gestalten auf Pferden, Trolle, Elfen und Halbelfen begleiten ihn.

Natürlich werden die Feinde unterliegen, gewaltige Menschen, deren Helme nur zwei schräg gestellte Sehschlitze haben. Wolfgang und Heike Hohlbein arbeiten stark mit solchen Motiven, wäre es ein Weltraummärchen, könnte dies aus Krieg der Sterne stammen. Was dort Meister Yoda ist, ist hier Dagda, ein alter Mann mit grauem Gewand und grauem Haar.

Doch noch ist nichts gewonnen, die ungleiche Bruderschaft zwischen den Wesen einer fernen Welt und dem Jungen Chris muss lange Zeit halten. Dieses Kampfes Losung: "Manchmal muss ein Teil des Ganzen geopfert werden, um den Rest zu retten." Chris soll einen Drachen holen, der Rettung und Gefahr zugleich ist.

Wolfgang und Heike Hohlbein erzählen gern solch dramatische Geschichten von Bedrohungen, Untergang und Rettung. Mühelos springen sie zwischen den Welten, verweben die reale Welt des Jungen mit der überlieferten, alten Mythen- und Sagengestalten Irlands. (DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.1.2006)