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Familie ist für Helen Duphorn zentral: Möbel müssen kinderfreundlich sein, und zum Abendessen ist die Managerin immer zu Hause bei Mann und Kind. Auch das Wochenende bleibt - zumindest meistens - arbeitsfrei.
Foto: APA/BARBARA GINDL
Sie ist Schwedin. Oder Kosmopolitin. Seit Herbst 2005 jedenfalls ist Helen Duphorn die Ikea-Österreich-Chefin. Es ist ein Fünfjahresvertrag. Vorher war sie zwei Jahre Vize-Landeschefin in Frankreich und fünf Jahre Ikea-Einkäuferin in Indien. Wie eine Botschafterin also? Auch DiplomatInnen dürfen keine Wurzeln in einem Land schlagen. "Den Zusammenhang zur Diplomatie habe ich noch nie gesehen", lacht Duphorn. Aber da sei was dran. Ikea sei etwas typisch Schwedisches, das sie gerne in der Welt verbreite. Die Familie stehe im Zentrum, die Möbel müssen deshalb kindertauglich sein. "Unser Sohn darf das weiße Ledersofa mit Ketchup bekleckern. Kein Problem, es ist ja abwischbar. Auch alle Stoffbezüge von Ikea-Sofas sind mit 60 Grad waschbar." Sie redet mit Passion, mit leuchtenden Augen. "Unsere Designer orientieren sich an den Bedürfnissen von Familien mit Kindern. Wenn ein Ding benötigt wird, um getragenes, aber noch nicht schmutziges Gewand aufzuhängen, dann wird so ein Ding eben designt.

Neben der Begeisterung für ihre Produkte hat Helen Duphorn tatsächlich eine Mission: Botschafterin für Frauengleichstellung und egalitäre Familienpolitik. "In Schweden fällt eine weibliche Chefin sicher nicht so auf wie in Österreich", sagt sie. Bei Ikea Österreich sind im Top-Management, bestehend aus 15 Personen, immerhin 40 Prozent Frauen." Aber im mittleren Management gebe es Nachholbedarf. "Frauen sollen mindestens zur Hälfte in Führungspositionen sein, schließlich sind sie ja auch unsere Kundinnen." Männliche Mitarbeiter werden ermutigt, in Karenz zu gehen, wenn Nachwuchs kommt. "Mit Kindern umgehen zu können ist eine wichtige Qualifikation unserer Beschäftigten. Es laufen ja so viele Kinder in unseren Möbelhäusern umher."

Wie war denn die Beziehung zu ihrem Vater? "Ich bekam viel Liebe und Unterstützung von ihm. Auch meine Mutter war mir sehr nahe - aber als ich so 12, 13 war, hat sie mich mit ihrem frauenpolitischen Engagement genervt. Jetzt bin ich froh, wie viel ich von ihr gelernt habe." Sie selber kann Karriere und Kind perfekt verbinden - dank ihres Ehemanns, der sich um den zehnjährigen Sohn kümmert. Er war Regionalpolitiker und ließ sich früh pensionieren, um mit ihr durch die Welt zu ziehen.

Auch in Indien hatte Helen Duphorn eine gesellschaftspolitische Mission: Kampf gegen Kinderarbeit. In den 1990er-Jahren geriet Ikea, wie viele andere Unternehmen auch, in den Verdacht, dass in den billigen Teppichen Kinderarbeit stecke. Ikea erließ sofort einen Verhaltenskodex für alle Zulieferer und kündigte Verträge, wenn es Verdacht auf Kinderarbeit gab. "Doch das genügt bei Weitem nicht", sagt Duphorn. "In den vergangenen zehn Jahren haben wir viel dazugelernt. Jetzt gehen wir an die Wurzeln des Problems." Gemeinsam mit Unicef hat Ikea in mittlerweile 500 Dörfern in Indiens "Teppichgürtel" in Uttar Pradesh "alternative Lernzentren" eingerichtet. 75.000 Kinder haben bisher daran teilgenommen. Diese Zentren ersetzen nicht die Schule, sondern helfen Kindern, die noch nie oder nur zeitweise in einer Schule waren, das Versäumte nachzuholen. Dann wechseln sie in das reguläre Schulsystem. Helen Duphorn: "Die Hälfte meiner Zeit in Indien habe ich für Projekte zur Verbesserung der Lebensumstände verwendet und die andere Hälfte für meine eigentliche Arbeit als Einkäuferin." (DER STANDARD, Print, 14./15.1.2006)